{"entities":{"Q2500":{"pageid":2590,"ns":120,"title":"Item:Q2500","lastrevid":21535,"modified":"2025-01-31T12:51:05Z","type":"item","id":"Q2500","labels":{"de":{"language":"de","value":"Das [aq]II[/aq]. Kapit. \u00b6 Darinnen die beyde Fragen er\u00f6rtert werden/ ob man die heidnischen Poeten/ in Schulen/ gebrauchen/ und der falschen erdichteten G\u00f6tter-Nahmen/ in unsern Gedichten und Liedern sich bedienen d\u00fcrffe? [S] \u00b6 [aq]\u00a7. 1[/aq]. Wann wir aber die Liebhaber der G\u00f6ttlichen Poesie zu beharrlicher aus\u00fcbung ihres geistigen Gehirns/ aufzumuntern gedencken/ so ist die\u00df nicht unsere Meinung/ als wenn solches allein und f\u00fcrnehmlich durch H\u00fclffe der Heidnischen Scribenten geschehen m\u00fcsse. Zu dergleichen wil ich der studierenden Jugend/ welche wir allhier allein gemeinet seyn/ zur himmlischen Poeterey/ nechst G\u00f6ttlicher H\u00fclffe/ anzuf\u00fchren/ keines weges rathen. \u00b6 [aq]\u00a7. 2[/aq]. Denn wer ist wol/ unter den Christlichen Theologen und Philosophen/ welcher nicht gestehen m\u00fcsse/ da\u00df die jenigen Lehrer gar \u00fcbel thun/ welche die Zarte Jugend/ in ihren Schulen/ auf die Klugheit und Kunst der Heidnischen Scribenten f\u00fchren/ und mehr noch wol zuweilen/ als auf die heilige Bibel selbst? \u00b6 [aq]\u00a7. 3[/aq]. Sagt mit doch/ lieber! was es sey/ das wir in Schulen lehren und lernen sollen? Ohne allen zweiffel die Tugend und Wei\u00dfheit/ welcher wir aber nicht so sehr aus den Fabeln der Heiden/ als aus dem von Gott selbst geoffenbahrtem Worte/ k\u00f6nnen und m\u00fcssen sch\u00f6pffen. \u00b6 [aq]\u00a7. 4[/aq]. Wir fragen Euch/ die ihr in Schulen sitzet/ was doch die rechte Wei\u00dfheit sey? Da\u00df wir/ nemlich/ dich/ O GOtt/ und den du gesand hast/ JEsum CHristum/ recht erkennen/ und in solcher seiner Erkenntni\u00df/ Ihn/ von grund un-[S]srer Seelen/ lieben und ehren. Da\u00df aber dieses hohe Erk\u00e4nntnis solte aus den B\u00fcchern der verdammten Heiden k\u00f6nnen erlernet werden/ das wird niemand/ im fall Er nur weis/ wie weit sich solches Erkenntnis erstrecke/ leichtlich erweisen. \u00b6 [aq]\u00a7. 5[/aq]. Denn wie solte doch von denen der warhafftige GOtt m\u00f6gen erkennet werden/ die sich so vieler G\u00f6tter ber\u00fchmt/ so manches von ihnen getichtet/ und in beteurung einer oder der andern wichtigen Sache/ ihnen so vielf\u00e4ltige gantz erlogene Nahmen zugeschrieben? Es ist unm\u00fcglich/ und nicht wol zugl\u00e4uben/ da\u00df ein blinder F\u00fchrer sich und den/ welchen er f\u00fchret/ vor einer Grube/ ohne gewissen hineinfall/ sicher kan f\u00fcr\u00fcber f\u00fchren. \u00b6 [aq]\u00a7. 6[aq]. Ich mag f\u00fcr diesesmahl nichts gedencken/ von dem hohen Geheimnis der heiligen DreyEinigkeit/ von welchem die Heiden nicht das geringste verstehen und reden k\u00f6nnen. Denn Gott hat alle Heiden ihre eigene Wege wandeln/ und sie/ nach dem Er von ihnen gnugsam verachtet/ in ihrem verstockten Sinne wandeln lassen. Nun ist es ja Fleisch und Blut nicht m\u00f6glich/ da\u00df es dergleichen hohes und unerforschliches Geheimnis einigem Menschen offenbahren solte; sondern der Vater mu\u00df es thun/ der im Himmel wohnet. [S] \u00b6 [aq]\u00a7. 7[/aq]. Dahero trauen wir/ weder dem Homerus/ noch dem Hesiodus/ noch dem Pindarus/ und andern heidnischen Poeten/ zu/ da\u00df sie/ von dem einigen und wahren GOTT/ was warhafftiges h\u00e4tten reden und schreiben sollen. Und sind eben diese Leute auf eine solche Thorheit gerahten/ da\u00df sie auch dasjenige von ihren stummen G\u00f6tzen getichtet und gegl\u00e4ubet/ welches wir uns/ nur nachzusagen/ sch\u00e4men m\u00fcssen. Sie haben sich solche h\u00f6fliche G\u00f6tter eingebildet/ welche/ so es Menschen weren/ gewi\u00df in keiner erbahren Stadt w\u00fcrden geduldet werden. Wie dann daher [aq]Palingenius[/aq] im [aq]I[/aq]. Buch/ welches Er den Widder nennet/ geschrieben hat: \u00b6 [/aq]In coelo est meretrix, in caelo est turpis adulter.[/aq] \u00b6 [...][S] \u00b6 [aq]\u00a7. 8[/aq]. Und das heisst recht den von Natur verterbten Menschen noch mehr verterben/ und Feuer zum Feuer tragen/ dafern wir dergleichen \u00e4rgerliche Schrifften/ der noch zarten Jugend/ ohne unterscheid und gantz unbedachtsam in die H\u00e4nde geben. Wir sagen/ ohne unterscheid und gantz unbedachtsam. Denn sonst haben die heidnische Schrifften auch ihren sonderbahren Nutz/ bey den erwachsenen/ welcher doch so gro\u00df nicht sein kan/ bey den unerwachsenen. \u00b6 [aq]\u00a7. 9[/aq]. Es lesen ihrer viel/ saget H. D. Mengering [aq]in Scrut. Consc[/aq]. in der [aq]103[/aq]. GewissensFrage/ die doch gut Evangelisch sein wollen/ den Knaben in der Schulen ehe und mehr [aq]Ovidium de arte amandi[/aq], dann den lieben Catechismum des heil. Vaters Lutheri. Ja die gantze Woche haben die alte heidnische Hurenj\u00e4ger und Schandlappen/ [aq]Ovidius, Terentius, Virgilius &c[/aq]. stat und raum in den meisten Schulen; Christus aber auf seinem Esel/ mit dem heil. Catechismo und Gottseliger Kinderzucht/ mu\u00df kaum auf den Sonnabend eine Stunde haben. Nun hat es wol seine Maa\u00df/ da\u00df die Kinder die Lateinische Sprache/ au\u00df den Scribenten lernen/ wann man auch Christum zu rechter zeit mit zuliese/ und nicht gar lateinisch w\u00fcrde. Es r\u00fchmen auch solche viel-[S]mehr von ihren Knaben/ da\u00df sie viel guter Sententz und Verse aus den heidnischen Poeten k\u00f6nnen/ dann da\u00df sie sich solten vernehmen lassen/ sie h\u00e4tten ihre Knaben dazu gehalten/ da\u00df sie viel feiner Trostspr\u00fcche/ aus den Sontags- und FestEvangelien/ oder sonst aus G\u00f6ttlicher heiliger Schrifft gelernet h\u00e4tten/ wie/ Gott lob! dennoch in etlichen Herrschafften und wenig St\u00e4dten geschehen ist/ und noch geschicht: Dancken nu auch Gott desfals/ wegen dieses Orts. Des Pfaffenwercks/ meinen sie/ h\u00e4tten sie schande/ und jenes lassen sie sich d\u00fcncken/ haben sie grosse Ehre. Denn es diene [aq]ad Eloquentiam[/aq]. Aber sie werden/ an jenem Tage sehen/ da\u00df ihre Zeit und Arbeit \u00fcbel angelegt/ so sie allein an die [aq]Eloquentiam[/aq]/ in heidnischen B\u00fcchern/ gewendet/ mit verlassung des heiligen Catechismi und Vermahnung zur Gottseligkeit. \u00b6 [aq]\u00a7. 10[/aq]. Das HochEhrw\u00fcrdige [aq]Ministerium[/aq] zu Hamburg schreibet hiervon also: Wir haltens daf\u00fcr/ wenn man zu des Hn. Lutheri Zeiten/ des [aq]Frischlini[/aq] und [aq]Schonaei Comoedien[/aq] und [aq]Tragoedien[/aq] h\u00e4tte gehabt/ Er diese viel eher/ als den [aq]Plautum[/aq] und [aq]Terentium[/aq] der Jugend w\u00fcrde [aq]recommendiret[/aq] haben/ bi\u00df dieselbe [aq]confirmatius Judicium[/aq] h\u00e4tte/ und solche heidnische Autores selbst lesen/ und das [aq]pretiosum \u00e2 vili[/aq] discerniren k\u00f6nte. [S] Und ob gleich ein Unterscheid zwischen einem und andern ist/ und dem [aq]Plauto, Terentio, Ciceroni, Demostheni, Virgilio[/aq] und anderen/ die so allerzierlichst geredet und geschrieben haben/ die neuen [aq]Comici, Oratores[/aq] und Poeten/ vielleicht nicht gleich thun; so ist doch keiner zu verwerffen/ insonderheit sol bey uns Christen die Jugend also [aq]informiret[/aq] werden/ da\u00df sie nicht allein in guten K\u00fcnsten und Sprachen/ sondern f\u00fcr allen dingen/ in wahrer Gottseeligkeit/ [aq]proficire[/aq] und zunehme/ und solte ja einerley fehlen/ ists viel besser etwas zuentbehren/ in den grossen freyen K\u00fcnsten und hohen Sprachen/ als an der wahren Gottseligkeit. Denn mit herrlicher Geschickligkeit/ und vieler Gottseligkeit/ kan man den Himmel erben/ und dieser Welt auch nutzbar dienen: Aber mit Epicurischer WeltWei\u00dfheit und hohen Sprachen/ ohne Gottseligkeit/ ist weder GOtt noch Menschen recht gedienet. Und f\u00fcr solche hochgelahrte Atheisten ist der Himmel verschlossen. \u00b6 [aq]\u00a7. II[/aq]. Hiermit stimmet auch \u00fcberein/ der Hocherleuchte Rist/ Mein Ruhmw\u00fcrdigster Kr\u00f6hner/ wann Er in seinem Nothwendigen Vorbericht/ bey dem neuen Teutschen Parna\u00df/ ein solches Urtheil von sich giebet: Wir d\u00fcrffen/ spricht Er/ uns in aufsetzung vielerhand Getichten/ der heidni-[S]schen L\u00fcgen/ und ihrer verfluchten Abg\u00f6tzen sch\u00e4ndlicher Laster und Untugenden/ so wenig bedienen/ so wenig wir von n\u00f6then haben/ da\u00df wir aus Deutschland in die Indien schiffen/ und daselbst/ zu erhaltung des Lebens/ ihre Wurtzeln Aypi und Maniot genannt/ oder auch ihr Korn/ welches sie Abati/ andere aber Mais nennen/ in diese L\u00e4nder bringen/ dieweil wir/ GOTT lob/ aus Weitzen und Rocken viel besser Brod/ als aus den d\u00fcrren Indianischen Wurtzeln und gar zu dichten Korn oder Mais k\u00f6nnen machen. Und da\u00df ich nur dessen ein eintziges Exempel gebe: Warum mu\u00df man der lieben Jugend/ in den Schulen eben des Terentien Schauspiele oder Comoedien so gar fleissig f\u00fcrlesen? ist dann solches gantz nicht zu endern? Antwort. Unsere Herren Schulf\u00fcchse (etliche meine ich/ aber nicht alle) sind der g\u00e4ntzlichen Meinung/ da\u00df dieses herrliche Buch ja so fleissig/ ja auch wol fleissiger/ als der Catechismus oder die Evangelien und Episteln/ in die Jugend m\u00fcsse geblauet/ und ihnen viel besser/ als die heilige Schrifft/ bekant gemacht werden. Fragestu aber/ warum? Eben darum/ das nicht allein dieses Buch in der Lateinischen Sprache eine gute Redensart f\u00fchret/ sondern auch/ dieweil wol zwantzig sch\u00f6ne Spr\u00fcche oder [aq]senten[/aq]tien (welche sie die Schulf\u00fcchse [aq]Gemmulas[/aq] [aq]Te[/aq]-[S][aq]rentianas[/aq], oder Terentianische Perlen nennen) in denselben zu finden. Ist aber das nicht eine \u00fcberaus grosse Blindheit/ da\u00df man um etlicher gar wenig guter Zeiten willen/ welche doch gegen wolausgearbeiteten Christlichen Schriften/ nur wie Koht sind zu sch\u00e4tzen/ ein gantzes Buch/ mit heidnischen Narrenpossen angef\u00fcllet/ den Knaben in die K\u00f6pffe bringet/ und sie zugleich dadurch unterweiset/ wie sie mit der zeit gute [aq]Pamphili[/aq] werden/ mit den sch\u00f6nen [aq]Glycerien[/aq] Kundschaft machen/ ja wol gar von dem Plautinischen Jupiter erlernen sollen/ mit was Behendigkeit man dem [aq]Amphitruo[/aq] H\u00f6rner k\u00f6nne auf setzen. Pfuy der grossen Schande/ da\u00df man Christen Kinder/ mit heidnischen Greueln/ wil klug machen: Ich frage aber ein anders: Warum werden doch des \u00fcberausgelehrten und f\u00fcrtrefflichen Erasmens von Rotterdam/ unsch\u00e4tzbahre B\u00fccher und Schriften/ an stat dieser Heidnischen/ nicht in die Schulen gef\u00fchret? Wil man f\u00fcrwenden: Es finde sich in den B\u00fcchern des Erasmen keine so gute Redens- oder Schreibensart/ als bey den Terentien/ Plauten/ uud anderen dieses schlages: So antwortete ich abermahl: da\u00df der jenige/ der dieses darf f\u00fcrgeben/ gantz und gar kein Latein verstehet. Es hat ja der Erasmus rein/ deutlich und zierlich geschrieben/ wie mir dessen [S] alle rechtschaffene gelahrte Leute werden Zeugnis geben. Will man sagen: Man k\u00f6nne in des Erasmi B\u00fcchern solche sch\u00f6ne sententien oder Spr\u00fcche nicht haben/ als bey denen heidnischen Schauspielschreibern/ so antworte ich abermahl: da\u00df/ wer solches gl\u00e4ubet/ derselbe verstehe weder gute/ noch b\u00f6se Spr\u00fcche: Ich wil kl\u00e4rlich darthun und beweisen/ da\u00df auf vier Bl\u00e4tern/ in des Erasmens [aq]Milite Christiano[/aq], oder Christlichen Ritter/ (anderer seiner herrlichen Schrifften zugeschweigen) mehr n\u00fctzliches und der Jugend zuwissen dienliches/ als in allen Schauspielen des Terentien zufinden/ noch machet man sich dieser wegen kein Gewissen/ wann man die liebe Jugend/ mit sondern Fleisse und Ernst/ verhindert/ da\u00df sie mit den Sprachen ja nicht zugleich den Grund ihres Christentums erlernen/ und so wol zur Gottseligkeit/ als Sprach\u00fcbung werde gehalten. \u00b6 Bi\u00dfhieher mein Ewiggeliebter Herr Ristius. \u00b6 [aq]\u00a7. 12[/aq]. Ob es nu gleich h\u00f6chstscheltbahr und gantz unverantwortlich ist/ den Kunstverstand der lieben Jugend/ mit den \u00e4rgerlichen Schrifften/ der heidnischen Scribenten/ anzuf\u00fcllen; so folget doch hieraus noch lange nicht/ das Christliche Poeten nicht solten bef\u00fcget seyn/ in ihren Gedichten/ der Heidni-[S]schen G\u00f6tter Nahmen bisweilen zugebrauchen. \u00b6 [aq]\u00a7. 13[/aq]. Die Liebe/ saget an einem Orte Herr Harsd\u00f6rffer/ der Neid/ die Furcht/ die Gewissensplage/ sind so m\u00e4chtig in den Menschen/ das die Heiden solche f\u00fcr G\u00f6tter und Beherscher der Menschen Hertzen gehalten. Wir Christen lassen sie f\u00fcr G\u00f6tzen gelten/ nennen ihren Nahmen/ und gebrauchen ihrer Gestalt/ um sie abscheulich und verhasst zu machen: Weil ihre Vorstellung sich mit der Eigenschafft der Laster/ und Laster straffen/ artig vergleichet: So ist mir wol erl\u00e4ubet/ von dem Avernischen Reiche/ von den Elyserfeldern zusagen/ aber ich mu\u00df sie nicht beschreiben/ wie sie die Heiden beschrieben haben."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"bcc11d8c23d0a7b4950477c800aa84be8dfe33c3","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":104,"id":"Q104"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q2500$4170D3BC-6F8D-4418-B7E2-56C7D53945AC","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}