Die Allerneueste Art/ Zur Reinen und Galanten Poesie zu gelangen (Q130)

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Deutsch
Die Allerneueste Art/ Zur Reinen und Galanten Poesie zu gelangen
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    Aussagen

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    1707
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    Hamburg
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    (unpag.-unpag.) [11-84]
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    (1-10) [87-96]
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    (22-24) [108-110]
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    (24-41) [110-127]
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    (41-45) [127-131]
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    (54-72) [140-158]
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    (72-75) [158-161]
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    (75-466) [161-552]
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    (600-602) [686-688]
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    (unpag.-unpag.) [689-703]
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    (unpag.-unpag.) [703-704]
    Wenn sich wenige [aq]Philosophi[/aq] zu Poeten/ so schicken sich alle rechtschaffene Poeten hauptsächlich [aq]Philosophi[/aq] zu seyn/ wegen ihres vor andern vor Natur empfangenen durchdringenden und zur Er-[S]kentniß verborgener Warheit fähigen Geistes. Denn diese Göttliche Wissenschafft hat/ ich weiß nicht was geheimes und verborgenes in sich/ welches allen nicht gegeben noch offen stehet/ sondern nur dem ¶ [aq]Ingenium cui fit, cui mens divinior[/aq]. ¶ der einen gleichen Verstand/ und ein erleuchtetes Gemüht hat. Sind nicht meine sondern des [aq]Flacci[/aq] Worte; wie auch [aq]Plato[/aq] an vielen Orten nicht undeutlich lehret/ ob er gleich den Mißbrauch verwirfft. ¶ Will einer vielleicht einwenden/ die Weißheit in der [aq]Poesie[/aq] habe nicht das Absehen/ noch die Wirckung in Erbauung der Menschen/ als die andere eigentlich genannte [aq]Philosophie[/aq]; dem antworte: bey manchen Poeten vielleicht beydes nicht/ und bey manchen auch mehr; oder in Lesung der [aq]Poesie[/aq] hat die darinnen begriffene Weißheit offt mehr heilsame Wirckung bey manchen Leuten/ als die andere [aq]Scholastische Philosophie[/aq]. Des vortrefflichen alten und jungen Herrn Grüphien geistliche Lieder und Gedichte/ wie auch des Hrn. Hofmanns-Waldau seine/ etc. nebst dieser beyden und des Herrn von Lohensteins höchst-schätzbaren Sit-[S]ten-Lehre. Ja des Herrn Ober-Hof-Predigers Neumeisters an dem Reichs-Gräflichen Promnitzischen Hofe/ Geist-reich bewegende geistliche [aq]Cantaten[/aq], anderer itzo nicht zu erwehnen/ könten zu einiger Behauptung meiner Meinung angezogen werden.
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    (unpag.-unpag.) [27-29]
    [aq]LXXX[/aq]. Sließlich soll ich diesem Capitul noch ein Paar nohtwendige [aq]Remarquen[/aq] beyfügen. Es fraget sich nehmlich: Ob man auch die Nahmen der Heydnischen Götter brauchen? ob man auch seinen Versen einen [aq]Commentarium[/aq] oder [aq]Notas[/aq] hinzusetzen darff? und wie man sich bey der Ubersetzung aus fremden Sprachen verhalten soll? ¶ [aq]LXXXI[/aq]. Es ist mehr als zu sehr zu beklagen/ daß sich manche nicht scheuen/ solche Dinge den Heydnischen Götzen anzudichten/ welche unmittelbahr von der Allmacht des wahren GOttes [aq]dependi[/aq]ren. Ja ich habe wohl eher Weynacht- und Oster-[aq]Carmina[/aq] gesehen/ welche mit Heydnischen Schlamme sind besudelt gewesen. ¶ [aq]LXXXII[/aq]. Man solte nicht wähnen/ daß sich die [griech.] eines Christen nicht weiter erstreckete. Woher kömmts? die Uhrsache ist leicht zu errahten. Denn da wird einem gleich Anfangs in der Schule die Pedanterey beygebracht/ daß alle Verse nach den alten Poeten schmecken müsten; und also werden [aq]per Consequens[/aq] die [aq]Deastri[/aq] nicht ausgeschlossen. ¶ [aq]LXXXIII[/aq]. Allein/ wie wir immer das [aq]Consilium[/aq] gegeben/ alle Mythologien und Heydnischen Fabeln in unserer Christlich-Teutschen Poesie auszumunstern; Also mögen um so vielmehr die Phantastischen Götter wegbleiben. ¶ [aq]LXXXIV[/aq]. Ich weiß wohl/ daß man dieses mit einer [aq]Prosopopoeia[/aq] zu entschuldigen pfleget. Doch [S] ich dächte/ man könte auch ohne dieses Zeug eine gute [aq]Invention[/aq], und eben so wohl andere [aq]Prosopopoeias[/aq] zu Wege bringen. ¶ [aq]LXXXV[/aq]. Und gesetzt/ es liesse sich alles entschuldigen/ daß nichts wider die Christliche Pietaet gesündiget würde/ so soll man doch lieber die Obscurität vermeiden. Denn der Zehendte wird die Fabel-Possen nicht verstehen/ ob man auch gleich alle [aq]Elegantias Poeticas[/aq] darinnen zusammen gestoppelt hat. ¶ [aq]LXXXVI[/aq] Jedoch will ich gar gern [aq]condescendi[/aq]ren/ und es geschehen lassen/ daß man sich derjenigen Nahmen bisweilen bediene/ welche auch unter den Ungelehrten nicht unbekandt sind. Z. E. Cupido/ Venus/ Saturnus/ Mars/ Phöbus/ Musen etc. Nur aber alles [aq]cum grano salis[/aq] und sparsam/ und wenn man eine sonderliche und schöne [aq]Invention[/aq] dadurch gewinnen kan. ¶ [aq]LXXXVII[/aq]. Also wenn ein Pedante den Narren an dergleichen Dingen gefressen hat/ so kan man leichtlich ihm zu Gefallen/ ein [aq]Carmen[/aq] mit solchen Heydnischen Alfantzereyen [aq]meubli[/aq]ren. Und gewiß/ wenn es ein Patron ist/ der unser [aq]Interesse[/aq] befördern soll/ so lehret uns die zuläßliche [aq]Politique[/aq], daß man sich allerdings nach seinem [aq]Humeur[/aq] richten müsse.
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    (502-503) [588-589)