Der hochgelehrte Hr. Doctor und Professor Mencke/ in Leipzig/ führet mit einer zierlichen und in der Poesie geschickten Feder in dem Gratulations Carmine auff den Herrn Ober-Hof-Prediger Neumeister/ oder in der Frage: Ob ein Poete wohl Superintendens seyn könne? unter andern an: daß Marcus Antonius Flaminius einer [S] von den Frömsten und Gelehrtsten gewesen/ von dem Monsieur Bayle saget: Sa pieté n'empecha pas, qu'il ne fit un tres grand nombre de Vers amoureux, & tres-amoureux, quoi qu'il fût Ecclesiastique. Conf. Menage Anti-Baillet T. I, p. 337. Ob er gleich im geistlichen Stande/ und dabey von besonderer Frömmigkeit war/ so verhinderte dieses dennoch nicht/ daß er eine grosse Menge verliebter/ und zwar sehr verliebter Verse machte. Und Mademoiselle de Scudery, welche den Affect der Liebe in ihren Gedichten und Romanen vortrefflich ausgedruckt/ soll gleichwohl selbst davon frey geblieben seyn. An welchen und vielen andern angeführten Poeten wohlgedachter Herr Professor Mencke nicht die Liebe/ sondern nur den Mißbrauch dieser edlen Passion in der Poesie getadelt; Und darinnen bin ich so wohl mit ihm eins/ als mit mir selber uneins bin/ in meinen ersten und vor 5. Jahren heraus gegebenen Gedichten/ einige schlüpffrige Gedancken durch die Feder fliessen zu lassen. Sie sollen Virtualiter darinnen ausgelöscht seyn; und wiederhol ich hier zum Beschluß: [S] Daß keine vergnügtere und dabey edlere Beschäfftigung ist/ als seine Poesie dem Himmel/ sich selber/ oder seiner Gemühts-Zufriedenheit/ und hohen/ wie auch andern tugendhafften oder Tugend bedürfftigen Personen zu Gefallen und Ruhm verfertigen. Was den Himmel und die Zufriedenheit anbelangt/ so hat/ wie der Herr Doctor Mencke in gedachten gelehrt-geschickten Carmine anführet/ Gregorius Nazianzenus, welcher den Poetischen Geist/ den Geist Gottes genannt/ sein Ertz-Bischoffthum zu Constantinopel im 55sten Jahres seines Alters aufgegeben/ üm die Poesie besser abzuwarten. (Q5425)

Keine Beschreibung vorhanden
Sprache Bezeichnung Beschreibung Auch bekannt als
Deutsch
Der hochgelehrte Hr. Doctor und Professor Mencke/ in Leipzig/ führet mit einer zierlichen und in der Poesie geschickten Feder in dem Gratulations Carmine auff den Herrn Ober-Hof-Prediger Neumeister/ oder in der Frage: Ob ein Poete wohl Superintendens seyn könne? unter andern an: daß Marcus Antonius Flaminius einer [S] von den Frömsten und Gelehrtsten gewesen/ von dem Monsieur Bayle saget: Sa pieté n'empecha pas, qu'il ne fit un tres grand nombre de Vers amoureux, & tres-amoureux, quoi qu'il fût Ecclesiastique. Conf. Menage Anti-Baillet T. I, p. 337. Ob er gleich im geistlichen Stande/ und dabey von besonderer Frömmigkeit war/ so verhinderte dieses dennoch nicht/ daß er eine grosse Menge verliebter/ und zwar sehr verliebter Verse machte. Und Mademoiselle de Scudery, welche den Affect der Liebe in ihren Gedichten und Romanen vortrefflich ausgedruckt/ soll gleichwohl selbst davon frey geblieben seyn. An welchen und vielen andern angeführten Poeten wohlgedachter Herr Professor Mencke nicht die Liebe/ sondern nur den Mißbrauch dieser edlen Passion in der Poesie getadelt; Und darinnen bin ich so wohl mit ihm eins/ als mit mir selber uneins bin/ in meinen ersten und vor 5. Jahren heraus gegebenen Gedichten/ einige schlüpffrige Gedancken durch die Feder fliessen zu lassen. Sie sollen Virtualiter darinnen ausgelöscht seyn; und wiederhol ich hier zum Beschluß: [S] Daß keine vergnügtere und dabey edlere Beschäfftigung ist/ als seine Poesie dem Himmel/ sich selber/ oder seiner Gemühts-Zufriedenheit/ und hohen/ wie auch andern tugendhafften oder Tugend bedürfftigen Personen zu Gefallen und Ruhm verfertigen. Was den Himmel und die Zufriedenheit anbelangt/ so hat/ wie der Herr Doctor Mencke in gedachten gelehrt-geschickten Carmine anführet/ Gregorius Nazianzenus, welcher den Poetischen Geist/ den Geist Gottes genannt/ sein Ertz-Bischoffthum zu Constantinopel im 55sten Jahres seines Alters aufgegeben/ üm die Poesie besser abzuwarten.
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