Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S] bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß/ was vor unangenehme Dinge sie daraus zu gewarten; einen Roman aber nicht/ weil sie nicht weiß/ was sie aus solchen zu erlernen; und wer sieht endlich/ der sich noch so sehr vor dem Sterben fürchtet/ die Gräber nicht mit einigen Nachdencken an/ wenn er durch einen Lust-reichen Gang unvermuhtet auf einen Gottes-Acker geleitet wird. (*[In [aq]Menantes[/aq] Satyrischen Roman/ der Spatzier-Gang auf den Gottes-Acker.]) Ein Poetisch Buch wird vor angenehm und gefällig geschätzt/ und wegen seines Ergetzens geliebet; der Tugend wegen aber selten aufgeschlagen/ bey derer man hernach mit mehrer Verwunderung/ gleichsam wie vor einer Rarität stille stehet/ wenn man sie so schön darinnen findet: Ja ich habe ein Frauenzimmer/ das vor hundert Reichsthaler nicht den Spruch: Huren und Ehebrecherinnen wird GOtt richten/ hätte aufgeschlagen/ mit Begierde ein Straff-Gedicht solcher Geilheit durchlesen gesehen. Warum? sie wuste/ wie die Schrifft solche Laster tadel-[S]te; hier trieb sie die Neugierigkeit an/ umb zu wissen/ was der Poete davon sagen würde; und unter von mir gemerckten peinlichen Seufftzern fing sie hierauf an: Es sind schöne Gedancken. (Q5388): Unterschied zwischen den Versionen

(‎Ein neues Datenobjekt erstellt: Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S] bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß…)
 
(‎Bezeichnung für [de] geändert: Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S] bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß/ was…)
Bezeichnung / deBezeichnung / de
Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S] bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß/ was vor unangenehme Dinge sie daraus zu gewarten; einen Roman aber nicht/ weil sie nicht weiß/ was sie aus solchen zu erlernen; und wer sieht endlich/ der sich noch so sehr vor dem Sterben fürchtet/ die Gräber nicht mit einigen Nachdencken an/ wenn er durch einen Lust-reichen Gang unvermuhtet auf einen Gottes-Acker geleitet wird. (*[In Menantes Satyrischen Roman/ der Spatzier-Gang auf den Gottes-Acker.]) Ein Poetisch Buch wird vor angenehm und gefällig geschätzt/ und wegen seines Ergetzens geliebet; der Tugend wegen aber selten aufgeschlagen/ bey derer man hernach mit mehrer Verwunderung/ gleichsam wie vor einer Rarität stille stehet/ wenn man sie so schön darinnen findet: Ja ich habe ein Frauenzimmer/ das vor hundert Reichsthaler nicht den Spruch: Huren und Ehebrecherinnen wird GOtt richten/ hätte aufgeschlagen/ mit Begierde ein Straff-Gedicht solcher Geilheit durchlesen gesehen. Warum? sie wuste/ wie die Schrifft solche Laster tadel-[S]te; hier trieb sie die Neugierigkeit an/ umb zu wissen/ was der Poete davon sagen würde; und unter von mir gemerckten peinlichen Seufftzern fing sie hierauf an: Es sind schöne Gedancken.
Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S] bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß/ was vor unangenehme Dinge sie daraus zu gewarten; einen Roman aber nicht/ weil sie nicht weiß/ was sie aus solchen zu erlernen; und wer sieht endlich/ der sich noch so sehr vor dem Sterben fürchtet/ die Gräber nicht mit einigen Nachdencken an/ wenn er durch einen Lust-reichen Gang unvermuhtet auf einen Gottes-Acker geleitet wird. (*[In [aq]Menantes[/aq] Satyrischen Roman/ der Spatzier-Gang auf den Gottes-Acker.]) Ein Poetisch Buch wird vor angenehm und gefällig geschätzt/ und wegen seines Ergetzens geliebet; der Tugend wegen aber selten aufgeschlagen/ bey derer man hernach mit mehrer Verwunderung/ gleichsam wie vor einer Rarität stille stehet/ wenn man sie so schön darinnen findet: Ja ich habe ein Frauenzimmer/ das vor hundert Reichsthaler nicht den Spruch: Huren und Ehebrecherinnen wird GOtt richten/ hätte aufgeschlagen/ mit Begierde ein Straff-Gedicht solcher Geilheit durchlesen gesehen. Warum? sie wuste/ wie die Schrifft solche Laster tadel-[S]te; hier trieb sie die Neugierigkeit an/ umb zu wissen/ was der Poete davon sagen würde; und unter von mir gemerckten peinlichen Seufftzern fing sie hierauf an: Es sind schöne Gedancken.

Version vom 30. November 2022, 08:06 Uhr

Keine Beschreibung vorhanden
Sprache Bezeichnung Beschreibung Auch bekannt als
Deutsch
Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S] bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß/ was vor unangenehme Dinge sie daraus zu gewarten; einen Roman aber nicht/ weil sie nicht weiß/ was sie aus solchen zu erlernen; und wer sieht endlich/ der sich noch so sehr vor dem Sterben fürchtet/ die Gräber nicht mit einigen Nachdencken an/ wenn er durch einen Lust-reichen Gang unvermuhtet auf einen Gottes-Acker geleitet wird. (*[In [aq]Menantes[/aq] Satyrischen Roman/ der Spatzier-Gang auf den Gottes-Acker.]) Ein Poetisch Buch wird vor angenehm und gefällig geschätzt/ und wegen seines Ergetzens geliebet; der Tugend wegen aber selten aufgeschlagen/ bey derer man hernach mit mehrer Verwunderung/ gleichsam wie vor einer Rarität stille stehet/ wenn man sie so schön darinnen findet: Ja ich habe ein Frauenzimmer/ das vor hundert Reichsthaler nicht den Spruch: Huren und Ehebrecherinnen wird GOtt richten/ hätte aufgeschlagen/ mit Begierde ein Straff-Gedicht solcher Geilheit durchlesen gesehen. Warum? sie wuste/ wie die Schrifft solche Laster tadel-[S]te; hier trieb sie die Neugierigkeit an/ umb zu wissen/ was der Poete davon sagen würde; und unter von mir gemerckten peinlichen Seufftzern fing sie hierauf an: Es sind schöne Gedancken.
Keine Beschreibung vorhanden

    Aussagen