Unterricht Von Der Teutschen Sprache und Poesie (Q112): Unterschied zwischen den Versionen

Eigenschaft / Autoritäten
 
Eigenschaft / Autoritäten: Es wurden auff des [aq]Cardinal Richelieu[/aq] angeben einige Zusammenkünffte gehalten/ darin von allen dieses Werck [Cid, J.T.] gar genau geurtheilet ward / welche Urtheile hervor gegeben/ und ist das jenige was sie getadelt/ wieder von [aq]Corneille[/aq] verthediget worden. Der Herr [aq]de Scudery[/aq] hiedurch auffgemuntert hat eine [aq]Tragoedie[/aq] erfunden/ dessen [aq]titul l'Amour Tyrannique[/aq], welches dem [aq]Cardinal[/aq] gleichfals ein grosses Vergnügen gegeben. Es hat der [aq]Corneille[/aq] einen Bruder gehabt/ der ihm hierin nichts nachgegeben: Er aber hat endlich diese weltliche Sachen fahren lassen und sich auff den [aq]Kempis de Imitatione Christi[/aq] in Frantzösische Verse zu übersetzen begeben. / Rang
 
Normaler Rang
Eigenschaft / Autoritäten: Es wurden auff des [aq]Cardinal Richelieu[/aq] angeben einige Zusammenkünffte gehalten/ darin von allen dieses Werck [Cid, J.T.] gar genau geurtheilet ward / welche Urtheile hervor gegeben/ und ist das jenige was sie getadelt/ wieder von [aq]Corneille[/aq] verthediget worden. Der Herr [aq]de Scudery[/aq] hiedurch auffgemuntert hat eine [aq]Tragoedie[/aq] erfunden/ dessen [aq]titul l'Amour Tyrannique[/aq], welches dem [aq]Cardinal[/aq] gleichfals ein grosses Vergnügen gegeben. Es hat der [aq]Corneille[/aq] einen Bruder gehabt/ der ihm hierin nichts nachgegeben: Er aber hat endlich diese weltliche Sachen fahren lassen und sich auff den [aq]Kempis de Imitatione Christi[/aq] in Frantzösische Verse zu übersetzen begeben. / Fundstelle
 
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Version vom 23. September 2022, 06:37 Uhr

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Sprache Bezeichnung Beschreibung Auch bekannt als
Deutsch
Unterricht Von Der Teutschen Sprache und Poesie
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    Aussagen

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    1682
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    Kiel
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    (unpag.-unpag.) [5-6]
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    (180-211) [190-221]
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    (211-225) [221-235]
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    (225-253) [235-263]
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    (699-729) [709-739]
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    (779-780) [789-790]
    Eine Fundstelle
    (unpag.) [818]
    Es sind fast die meisten so geartet/ daß sie vor einheimischen Dingen einen Eckel haben/ sich über alle frembde Sachen verwundern/ und dieselbe hochhalten/ welches die Teutsche Sprache auch erfahren/ die von ihren eigenen Landsleuten geringschätzig gehalten/ und [S] der Hebraeischen/ Griechischen und Lateinischen unterwürffig gemachet: Da sie doch/ wenn ich ja die Hebraeische außnehme/ der Griechischen und Lateinischen am Alter nicht allein nichts nachgiebt/ sondern weit bevor thut; hingegen aber jene in Ansehung der Teutschen neue/ und etwas ehe durch Kunst außgeübet seyn/ als diese/ die hingegen viel gründlicher/ und jenen zum Theil den Uhrsprung gegeben; Welches ob es jemand gleich frembd und ungereimet scheinen solte/ dennoch der Wahrheit gemäß/ und so gründlich erwiesen werden kan/ daß niemand daran zu zweiffeln fug hat/ er habe ihm dann vorgenommen unbesonnener Weise auff seinem Wahn zu verharren/ und keiner Vernunfft zu folgen. Wovon vielleicht von mir mit mehren in einer [aq]Dissertatione de Novirate Graecae & Latinae linguae[/aq] künfftig gehandelt werden kan. ¶ Ich will zwar itzo den Vorzug der Hebraeischen Sprache nicht in Zweif-[S]fel ziehen/ wie [aq]Goropius Becanus[/aq] gethan/ welcher nach aller verständigen Leute Meinung/ mehr Sinnlichkeit als Urtheils gehabt: Und [aq]Georgius[/aq] Stiernhelm ein gelahrter Schwedischer Edelmann/ welcher die Scythische Sprache der Hebraeischen vorgesetzet. Es ist aber dennoch nicht außgemacht/ ob sie eben die erste und allgemeine Sprache gewesen/ davon die andern herstammen: Dann der Grund den Nahmen der alten Väter/ die in derselben vorkommen/ ist nicht so unwidertreiblich/ daß des [aq]Grotij[/aq] und [aq]Cluverii[/aq] Gegeneinwendungen demselben nichts an haben solten/ ob zwar [aq]Heidegger[/aq] in seiner [aq]Exercit. XVI. de Linguâ & Literis Patriarcharum[/aq] sich dieselbe zu beantworten sehr bemühet. Es ist am gläublichsten/ daß keine von den itzo bekandten Sprachen/ als die das meiste von der Kunst entlehnet/ die ersten gewesen/ sondern eine von diesen unterschiedene; von welchen alle Sprachen in ihren Wörtern/ eine aber [S] mehr als die ander/ etwas mit eingemischt haben. Auß diesem Grunde scheue ich mich nicht die Teutsche Sprache mehr für eine Schwester der andern/ als für ihre Tochter anzugeben/ und zwar also/ daß die Hebraeische und uhralte [aq]Schytische[/aq] oder Celtische Sprache/ als ältere vor den andern den Vorzug haben. Wie dann nicht allein [aq]Rodornus Schrickius[/aq] an vielen Oehrtern seiner weitläufftigen Schrifften/ und insonderheit [aq]lib. 3. Originum Celticarum[/aq] behaupten wil/ daß die Hebraeische und Teutsche Sprache nur als [aq]dialecti[/aq] unterschieden sein. Siehe hievon auch Harßtörffer in [aq]Specimine Philolog. German. Disquisit. VII[/aq]. Mit der Dänischen und Brittanischen/ welche ebenfals [aq]dialecti[/aq] der alten Teutschen Sprache sein/ wollen [aq]Lysander[/aq] und [aq]Daviesius[/aq] die Gleichheit erweisen. ¶ Wann wir die Natur hierüber fragen; denn es sein etzliche/ die auff den [aq]analogismum nominum & rerum[/aq] das Alterthum und den Vorzug der Sprachen grün-[S]den: so haben sich zwar einige tiefsehende Leute gefunden/ welche die Hebraeische Sprache gar der Natur gemäß halten; daß sie auch meinen/ es werden die Buchstaben derselben/ wann man sie außspricht/ mit eben solcher Figur von der Zungen im Halse gebildet/ davon sie schon einen anatomischen Abriß gegeben. Der jüngere [aq]Helmuntius[/aq] hat hievon ein eigen Buch geschrieben/ dessen [aq]Titul: Delineatio Alphabeti verè naturalis Hebraici[/aq], worin man diese mehr als [aq]Cabalistische[/aq] Heimlichkeiten weiter nachsehen kan. Die Rabbinen haben ihnen eingebildet/ sie könten am Himmel die Hebraeische Buchstaben in den Sternen abgebildet lesen/ davon mit mehren [aq]Claude Duret[/aq] in seiner [aq]Histoire des Langues[/aq], und insonderheit [aq]Gaffarel[/aq] in seinen [aq]corieusitez inouyies[/aq], handelt. Wir mißgönnen niemand seine Einfälle: So aber auf diesen Grund etwas zu trauen/ so ist unter allen Sprachen keine eintzige/ die der Teutschen hierin vorgehet/ welches der Herr Schottel in seinen Lobreden von der [S] Teutschen Sprache zur gnüge erwiesen/ dem ein weit mehrers hinzugethan werden könte/ wann es an diesem Orte nicht zu weitläufftig were.
    Eine Fundstelle
    (3-8) [13-18]
    sondern es ist nur eine [aq]Synopsis Capitum[/aq] des gantzen Werkes [von Georg Stiernhielm, J. T.] dessen [aq]Titul: RUNA SUETICA[/aq] sein sollen/ zu meinen Händen gekommen. Worinnen er die Hebraeische [S] und fast alle andere Sprachen zu [aq]dialectos[/aq] der Scythischen gemacht/ und endlich ein [aq]Systema[/aq] verheisset/ von einer gewisser Anzahl [aq]Radicum Universalium[/aq], darauß so viel andere Wörter in allen Sprachen folgen. Ich will/ diesen [aq]Synopsin[/aq]; weilen er sonsten nicht leicht zu finden/ allhie gantz hersetzen; die [aq]Capita[/aq] des ersten [aq]Systematis[/aq] sein diese. ¶ [aq]1. VIderi omnes Linguas, que in Orbe cognito extiterunt, & hodiè extant, ortas ex una, & ad unam posse reduci[/aq]. ¶ [aq]2. Naturae conveniens, imò omninò necessarium fuisse, ex una Lingua multas oriri[/aq]. ¶ [aq]3. Ex confusione Babylonica nullam novam Linguam exortam: & si qua exorta est, momentaneam, & ad breve tempus extitisse[/aq]. ¶ [aq]4. Hebraeam, Phoeniciam, Chaldaeam, Syram, Arabicam, AEgyptiam, AEthiopicam, Phrygiam, Persicam, Dialectorum, non linguarum esse vocamina[/aq]. ¶ [aq]5. Temporum & Locorum intervallis, Dia-[/aq][S][aq]lectos abire in Linguas[/aq]. ¶ [aq]6. Ex Scythica ortas Linguas Primas, non minùs Orientales, quàm Septentrionales, & Occidentales[/aq]. ¶ [aq]7. Thraces & Getas, fuisse Scythas[/aq]. ¶ [aq]8. Ex his profectos primos Populos, Primamque Linguam Graeciae, quam aliàs dictam Barbaram cultu novo politam, minimè vero extirpatam, posterioribus temporibus demùm Hellenicam, & Graecam nuncupaverunt[/aq]. ¶ [aq]9. Graecos cultum, elegantias, poësin, Musas, sacra, Deosque ex Thracia habuisse[/aq]. ¶ [aq]10. Scytharum propaginem praetereà esse Europaeos, Germanos, Gallos, Iberos, Britannos, Aborigines, sive Umbros, primos Italiae Incolas. Hisce omnibus unam Linguam fuisse Scythicam, in varias Dialectos postmodum scissam[/aq]. ¶ [aq]11. Germaniae Caput & Principium, olim fuisse Scythiam Europaeam Minorem, Peninsulam nimirùm Scandiam; quam & Scanziam & Scandinaviam, antiquissimi verò Scriptores Balthiam, Basiliam, Aba-[/aq][S][aq]lum, Bannomannam, &c. Hyperboreorum Insulam indigitarunt[/aq]. ¶ [aq]12. Ex hac Insula (reverà Peninsula) derivatos in Germaniam, & diversas Orbis Terrarum Regiones, non solum multos Populos; sed etiam Sacra, Ritus, & Deos[/aq]. ¶ [aq]13. Peninsulae ejusdem, & Hyperboreorum Gentem Principem fuisse Sueonas, sive Suezios, quos hodie Suethos, Suecos, & Suedos vocitant[/aq]. ¶ [aq]14. Graecis cum Hyperboreis ab antiquissimis usque temporibus communionem fuisse Sacrorum, Amicitiae, & mutuae Necessitudinis; & quod magis est, Graecos Deos, coluisse inter Maximos, apud Hyperboreos natos[/aq]. ¶ [aq]15. Suethis cum Thracibus & Byzantinis communes fuisse Deos; adeoque ipsos Deos Phrygios ad Hyperboreos migrasse[/aq]. ¶ [aq]16. Linguam Latinam ex tribus ortam potissimùm; Aboriginum, sive Thusca, Graeca, & Phrygia[/aq]. ¶ [aq]17. Ciceronem & Varronem, qui propter peculiarem linguae Latinae peritiam, ha-[/aq][S][aq]bitus fuit Romanorum omnium sapientissimus; linguam Latinam non intellexisse; nec Demosthenem, ipsumque Platonem linguae Graecae fundamentalem scientiam habuisset[/aq]. ¶ [aq]18. Linguam Hebraeam, non minùs quàm Chaldaeam, Chananaeam, & Arabicam, Dialectum esse linguae Primae; minimè verò ipsam linguam Primam[/aq]. ¶ [aq]19. Indolem, & Proprietates vocum linguae Hebraeae veras impossibile esse, dari posse, nisi ex radicibus linguae Scythicae[/aq]. ¶ [aq]20. Voces Adamaeas, cujus generis sunt Adam, Eva, Cain, Seth, Noah, &c. quas pro antiquitate linguae Hebraeae, vulgò, ejus Assertores adducunt; non minùs Scythicas, imò Suethicas esse magis, quàm Hebraeas[/aq]. ¶ [aq]21. Ex vocabulis priscae linguae, Gallicae, & Ibericae, reliquiis; eas probari Scythicas fuisse[/aq]. ¶ [aq]22. Antiquas voces Thuscas, quae supersunt ex linguâ Aboriginum Scythicas esse[/aq]. ¶ [aq]23. Linguam Cambricam, que vetus est Cim-[/aq][S][aq]brica, Dialectum esse liguae Scythicae[/aq]. ¶ [aq]24. Voces quae supersunt linguae veteris Phrygiae, Scythicas esse[/aq]. ¶ [aq]25. Linguam Persicam hodiernam, ut & Armenam, maximam partem constare ex lingua Scythica[/aq]. ¶ [aq]26. Deorum Nomina, pleraque omnium Gentium, origine esse Scythica, & in illis Sanctum DEI Nomen Tetragammaton [hebr.] Origine esse Scythicum; nec ullum hactenus Hebraeum aut Cabalistam, veras nominis istius proprietates, multo minus mysteria aperire potuisse. Quae Deo dante, reddet author[/aq]. ¶ [aq]27. Ultimo, Sermonem, Primo homini concreatum, aut cum ipsa Ratione, cujus character est, & index in sensum incurrens, infusum[/aq].
    Eine Fundstelle
    (11-16) [21-26]
    Bey den [aq]AEgyptiern[/aq] ist das Wort [aq]Mene[/aq] auch ein Nahm der Könige gewesen. [aq]Goropius Becanus in lib. I. Gallicorum[/aq]. und andern Orthen mehr hat über dieses Wort Man seine sonderliche schier [aq]cabali[/aq]stische einfälle/ welche ich an seinen Ohrt gestellet sein lasse. Denn weil das Wort Man umgekehrt Nam macht/ so meinet er/ es sey hiedurch als durch eine Prophetische Figur/ die andere Person der Dreyeinigkeit abgebildet/ welche wahrer Mensch und zugleich auch das Wort des Vaters ist. Es ist nicht unangenehm zu lesen/ was er für vielfältige Betrachtungen hat/ wegen der verkehrung der Wörter in der Teutschen Sprachen/ welche so sonderlich ist/ als immermehr die [aq]cabala[/aq] der Juden und Araber sein kan. [aq]Cluverus[/aq] in dem vorher [S] angeführtem Ohrte/ meinet daß der bey den Teutschen gepriesene [aq]Mannus[/aq] niemand anders als Adam sey/ womit [aq]Vossius[/aq] in seinem Buch [aq]de Idololatria[/aq] und [aq]Böcler. Exerc. in Joseph. lib. I. c. 2. Antiq. Judaic[/aq] übereinstimmen. [...] [aq]I. C. Scaliger[/aq] hat über diesem Wort [aq]Man[/aq] eine sonderliche Betrachtung/ in der treflichen Rede/ die er zum Ruhm der ienigen gehalten/ die in dem Türcken Kriege vor Wien geblieben/ welche nebst seinen Briefen herauß gegeben. Wie er nun die Teutsche [aq]Nation[/aq] vor allen andern erhebt/ und besser Urtheil von ihr fället/ als sein Sohn [aq]Josephus[/aq] gethan: So hat er auß dem Nahmen [aq]MAN[/aq], der durch alle Völcker gegangen/ die vortreflichkeit des Teutschen Volcks erwiesen. Der Ohrt ist würdig allhie hergesetzet zu werden: [aq]Hoc numen Terrae filium, sicuti Etrusci Tagem, ita hunc[/aq] [S] [aq]putarent Majores nostri: cujus proles fuerit MAN. Unde etiam nunc apud nos, quemadmodum apud Hebraeos, primi Parentis nomen hominem significat[/aq]. [...] [aq]Nam cum illi novos homines atque avorum obscuritate ignotos Terrae filios appellarent, eosdem quoque MANIOS dixerunt[/aq].
    Eine Fundstelle
    (127-129) [137-139]
    Es können alle Sachen sich zu den Oden schicken/ Geistliche/ Sittliche/ Liebreitzende/ Kriegrische und dergleichen mehr: da dann zum Theil auch die Redensart sich nach der [aq]materie[/aq] schicken muß. Was die Geistlichen anlanget/ so sein bey den Griechen und Lateinern des vielfältigen Götzendienstes halber unterschiedliche Arten derselben gewesen/ welche [aq]Franc[/aq]. [aq]Patricius[/aq] in seinem andern Theil [aq]della poetica[/aq] nach der länge erzehlt. Das gemeine Wort/ damit sie genennet worden ist [aq]Hymnus[/aq] ein Lobgesang. Bey den alten ward die höheste Redensart in denselben gebraucht/ im Teutschen aber wird der Music und des gemeinen Gebrauchs halber eine Maasse hierin zu halten sein. Es sein aber die Geistlichen Lieder nicht alle [aq]Hymni[/aq], son-[S]dern haben auch andere verschiedene Arten unter sich. Wir müssen hie von den Liedern gedencken/ die der Sehl. Herr [aq]Lutherus[/aq] gemacht/ welche voll Geistes und nachdrücklicher Wörter sein/ darin ein richtiges [aq]metrum[/aq] ist: dann er hat gar genau auff die Sylben gesehen/ welches von den Frantzosen und Italiänern nur am meisten in acht genommen wird. Die [aq]quantitas[/aq] ist zwar nicht allezeit beobachtet; Es müssen aber solche kleine Fehler in so wichtigen Dingen/ da die Wörter und der Verstand vollenkommen/ über sehen werden. Dann man würde der Vollenkommenheit eine Gewalt anthun/ wann man hierin etwas ändern wolte. Vor [aq]Lutheri[/aq] Zeiten sein auch verschiedene [aq]Hymni[/aq] und Geistliche Lieder auch im Pabstthum schon geschrieben/ darin etliche nicht so gar übel gemacht/ und des Alters halben in Ehren zu halten/ und hat mir einer berichtet/ daß ein absonderlich Gesang-Buch von denselben zusammen gelesen und [S] jemand heraußgegeben/ das ich aber nicht gesehen. Man hat im übrigen Hr. Risten/ Hn. von Stöcken/ und vieler anderer Geistliche Lieder/ welche ihren Fleiß hierin rühmlich angewandt/ und niemand unbekant sein. Hr. Rölings seine Geistliche Oden sein voll Tieffsinnigkeit und an Erfindung reich. In der alten Kirchen hat man keine andre Psalmen zugeben wollen/ als die aus den Büchern der Heil. Schrifft genommen/ nemblich die Psalmen Davids und andre Lobgesänge. Die sonsten gemacht wurden/ würden [griech.] [aq]Psalmi Plebei[/aq] genant/ und waren verboten in öffentlichen Versamlungen zu singen. Davon sagt der [aq]LIX. Canon des Concilii Laodiceni[/aq] also: [griech.] [aq]Quod non oportet plebeios Psalmos in Ecclesiâ legere; aut libros non canonicos. Balsamon[/aq] und [aq]Zonaras[/aq] erwehnen allhie in ihren Anmerckungen/ daß unter den [aq]Psalmis Plebeis[/aq] die [aq]Psalmi Salomonis[/aq] verstanden werden/ [S] die man damahls gehabt/ und nicht für auffrichtig gehalten. Es erhellet aber aus unterschiedlichen Oehrtern der [aq]Historia Ecclesiasticae[/aq] des [aq]Eusebii[/aq], das viele [aq]Psalmi[/aq] von [aq]privatis[/aq] gemacht/ die man in den Kirchen gesungen/ wie dergleichen einer bey dem [aq]Clemens Alexandrino[/aq] am Ende seines dritten Buchs sich findet auff den Herrn Christum/ und auch [aq]Plinius lib. 10. Ep. 97[/aq]. von den Christen solches erwehnet. Von den [aq]Therapeutis[/aq] (davon doch noch zweiffelhafftig ob sie Christen gewesen) schreibt [aq]Eusebius lib. 2. c. 17[/aq]. [griech.]. [...] Widerum [aq]lib. 5. c. 28[/aq]. sagt er/ daß viel Psalmen von den gläubigen Brüdern geschrieben/ die Christum als einen wahren GOtt loben und erkennen/ und [aq]lib. 7. c. 30[/aq]. von dem [aq]Paulo Samosateno[/aq], daß er die zu Christi Ehren gemachte Psalme/ unter diesem [S] Vorwand abgethan/ daß sie neulich erstlich/ und nicht von den alten gemacht/ welches dann der [aq]Synodus[/aq] so wieder ihn außgeschrieben getadelt/ weil er dadurch die Ehre Christi angefochten. Ist also gläublich daß solcher Psalmen viel in der Kirchen gewesen/ welcher aber in dem angeführten [aq]Canone[/aq] deßhalben verbotten worden/ weiln man zur Ehren GOttes lieber die von dem Geist GOttes selbst gesetzte/ als die von Menschen erdachte [aq]Hymnos[/aq] gebrauchen wollen. [aq]Valesius[/aq] hat dieses angemerckt in seinem [aq]Commentario[/aq] über den [aq]Euseb. lib. 7. c. 24. Disertè prohibetur ne Psalmi[/aq] [griech.] [aq]id est à privatis hominibus compositi in Ecclesiâ recitentur. Invaluerat enim haec consuetudo, ut multi Psalmos in honorem Christi componerent, eosque in Ecclesiâ cantari facerent[/aq]. Deßhalben wurden auch [griech.] in den Kirchen bestellet/ welche gewisse Psalmen auff gewisse art und Weise singen müsten/ wie [aq]Bevereggius[/aq] in den Anmerckungen ü-[S]ber den [aq]XV. Canon. Conc. Laodiceni[/aq] weitläufftiger außführet/ und insonderheit der [aq]Cardinal Bona[/aq] in seiner [aq]Psalmodia. S. Agorbardus[/aq], der im Jahr [aq]840[/aq]. gestorben/ dessen Wercke der [aq]Stephanus Baluzius[/aq] heraußgegeben/ handelt hievon auch in einem absonderlichen Buch [aq]de divinâ Psalmodia[/aq]. Dann er spricht: [aq]Reverenda concilia Patrum decernunt nequaquam plebeios psalmos in Ecclesia decantandos, & nihil poëtice compositum in divinis laudibus usurpandum[/aq]. Durch welche letzten Verse der [aq]Baluzius[/aq] verstehet [aq]levia carmina & faciles versus, cujusmodi sunt, quae moteta hodie dicimus[/aq]. Zu dessen Beweiß führet er einen Ohrt an aus den [aq]Gulielmo Durandi, Episcopo Mimatensi[/aq], in seinem andern Buche [aq]de modo generalis concilii celebrandi cap. 19. Videretur valde honestum esse, quod cantus indevoti & inordinati motetorum, & similium non fierent in Ecclesia[/aq]. Diese haben sie aber nur bloß einmahl im Jahr bey dem Weynachtfest gebrauchet/ [S] welche Gesänge [aq]Noels[/aq] das ist [aq]Natalitia Carmina[/aq] genant worden. [aq]Pasquier des Recherches de la France l. 4. ch. 14[/aq]. beschreibt diese [aq]Nouels[/aq] daß sie gewesen/ [aq]Chansons spirituelles faites en l'honneur de la Nativite de nostre Seigneur[/aq]. Es ist aber auch diß Wort gebraucht worden/ wann das Volck Königen und Fürsten ein Freuden Geschrey gemacht/ da sie dasselbe ihnen zu geruffen/ wie [aq]Pasquier[/aq] weitläufftiger an selben Ohrte anführet. Dieses habe ich bey dieser Gelegenheit von den Geistlichen Gesängen beybringen wollen/ in welchen man es gerne bey dem alten bleiben lässet. Der Heilige [aq]Agobardus[/aq] ist sehr sorgfältig hierin gewesen; daß er nichts hat zugeben wollen/ als was auß den Büchern der Heil. Schrifft genommen/ wie aus seinem Buche [aq]de correctione Antiphonarii[/aq] zu sehen. Der [aq]Baluzius[/aq] thut denckwürdig hinzu. [aq]Constat res semel receptas in Ecclesia non facile mutari, cautioresque in his rebus debere esse Pontifices, ne ministerium eorum vi-[/aq][S][aq]tuperetur. Sic Urbanus VIII. hymnos correxit, & tamen semper hymni antiqui canuntur in Ecclesiâ[/aq]. Deßhalben erinnert auch [aq]Campanella Poeticor. c. 8. art. 2[/aq]. daß man auff einige kleine Fehler des [aq]metri[/aq] nicht so gar genau in den Geistlichen Gesängen sehen soll. [aq]Non tam metri curanda est regula, quam sonus auribus gratus & doctrina recondita bene restricta & destillata. Si S. Thomas mensuras inspexisset, non sic altè locutus esset, mirabili lepore doctrinam profundissimam exprimendo[/aq]. Derselbe [aq]Autor[/aq], der ein Mann von seltzamer und wunderlicher Wissenschaft gewesen/ hat selbst einige [aq]Hymnos[/aq] geschrieben/ wie er [aq]art. 4[/aq]. an dem vorigen Ohrte schreibet. [aq]Nos triplicem Psalmodiam scripsimus de rerum naturâ: in primâ caelestia & incolas, in secunda terrestria, in tertia hominem cecinimus & Dei laudes ex his & gratiarum actiones expressimus. Fecimus & poemata metaphysica, unum de summa potentia, unum in tribus cantilenis de summâ sapientiâ[/aq]: [S] [aq]unum de primo Amore: duo de summo bono[/aq]. Er hat auch an denselben Ohrte [aq]art. 1[/aq]. gar artig dargethan/ wie in den Psalmen Davids alle arten der [aq]Carminum[/aq], so viel ihr sein mögen enthalten; Drum man billig demselben als einem Göttlichen Wercke seiner Vollenkommenheit halber den Vorzug geben muß. ¶ Nechst den Geistlichen Oden folgen die/ welche ein [aq]argumentum morale[/aq] haben/ welches sich zu den Oden sehr wol schicket.
    Eine Fundstelle
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