{"entities":{"Q5798":{"pageid":5889,"ns":120,"title":"Item:Q5798","lastrevid":25990,"modified":"2025-01-31T13:58:53Z","type":"item","id":"Q5798","labels":{"de":{"language":"de","value":"Eben also abgeschmackt ists auch, wenn man die Worte oder Syllben \u00fcber Geb\u00fchr verk\u00fcrtzet oder verl\u00e4ngert, wie in diesen Kirchen-Ges\u00e4ngen: \u00b6 Gib deinem Volck einerley Sinn auf Erd etc. \u00b6 [...] \u00b6 Denn im ersten mu\u00df es v\u00f6llig Erden, im andern aber nur GOtt heissen. Hier [aq]protesti[/aq]re ich zwar einmahl vor allemahl wider alle L\u00e4ster-Zungen, welche mich etwan beschuldigen m\u00f6chten, als wenn ich die Geistreichen Kirchen-Ges\u00e4nge Gottseliger Alten b\u00f6\u00dflich durchz\u00f6ge, allein ich sage von Grund des Hertzens, da\u00df ich sie ihrem Geiste und der guten [aq]Intention[/aq] derer seel. [S] [aq]Autorum[/aq] nach h\u00f6her [aq]aestimir[/aq]e, als die [aq]galantest[/aq]en [aq]Ari[/aq]en der heutigen Poeten. Sie haben freilich die reine Poesie dazumahl nicht gehabt, inzwischen lassen sich die Fehler daraus am besten zeigen. Wiewohl es finden sich auch Kirchen-Ges\u00e4nge, welche fast nach allen Grund-S\u00e4tzen der heutigen Welt richtig sind, wie mich dann unter andern das Lied: HErr JEsu Christ/ du h\u00f6chstes etc. offt inniglich vergn\u00fcget. [...] Ich gestehe, wie gesagt, gerne, da\u00df dabey wenig oder keine Andacht, vielmehr aber Aergerni\u00df empfinde, und getraue mir mit einem and\u00e4chtigen Vater-unser etc. GOtt einen weit gr\u00f6ssern Dienst zu thun. Soll und mu\u00df es aber gesungen seyn, so will ich ja lieber einen Psalm oder Lobgesang/ in ungebundener Rede anstimmen, ehe ich etwan in Ermangelung eines reinen poetischen Liedes der [aq]galant[/aq]en teutschen Sprache so viel Gewalt thun wolte. Denn da ist es gewi\u00df, da\u00df in einem eintzigen: O! du GOttes Lamm/ das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt etc. oder Christe, du Lamm GOttes, der du tr\u00e4gst die S\u00fcnde der [S] Welt, erbarme dich unser, desgleichen in dem gew\u00f6hnlichen Gesange: GOtt sey uns gn\u00e4dig und barmhertzig etc. oder in dem Lobgesange Mari\u00e4: Meine Seele erhebt den HErrn etc. etc. mehr Krafft enthalten, als in hundert so ungereimten Liedern. Ich will der [aq]Autorum[/aq] zu schonen in Exempeln anzuf\u00fchren mich nicht aufhalten; gebe aber einem ieden selbst zu \u00fcberlegen, woher es komme/ da\u00df nicht nur der ungelehrte P\u00f6bel, sondern auch wohl verst\u00e4ndige Leute \u00f6ffters ins Gelack hinein singen, da\u00df kein Verstand heraus k\u00f6mmt, und niemand verstehet, was er singet, und bey GOtt haben will. Ob, und wie solchem Ubel abzuhelffen, will ietzo, weil es eben meines Ammtes nicht, nicht ber\u00fchren. So viel sage nur noch, da\u00df ich mir \u00f6ffters selbst neue Lieder nach alten beweglichen Kirchen-Melodeyen machen m\u00fcssen, wenn ich in diesen oder jenen St\u00fccke meine Andacht recht haben wollen, und in denen Gesang-B\u00fcchern nichts t\u00fcchtiges habe finden k\u00f6nnen."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"6bff6f6019465312275c8dc649ebfff39b1a677c","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":133,"id":"Q133"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q5798$D6E3EA9E-AC21-412D-BC49-95B352B59187","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}