{"entities":{"Q4239":{"pageid":4330,"ns":120,"title":"Item:Q4239","lastrevid":25865,"modified":"2025-01-31T13:58:35Z","type":"item","id":"Q4239","labels":{"de":{"language":"de","value":"3. Was ihren [der Romane, J.T.] Ursprung anbetrifft/ so k\u00f6nnen wir zwar dieses Orts keine verl\u00e4\u00dfliche Nachricht davon vorstellig machen; Da\u00df es aber keine neue/ sondern ziemlich alte Erfindung seye/ will fast daher erscheinen/ weil sich auch dergleichen in den Biblischen Historien finden lassen. \u00b6 4. Dann als der Prophet und k\u00f6nigliche Hof-Prediger der [aq]Nathan[/aq] dort ([aq]a[/aq]. [= [aq]2. Samuel XII. vers. 1. seqq[/aq].]) eine recht gef\u00e4hrliche [aq]Commission[/aq] an den K\u00f6nig David bek\u00e4me/ welchen er seine Laster vortragen sollte/ so ware er nicht so einf\u00e4ltig und so th\u00f6richt/ da\u00df er ihm gesagt h\u00e4tte: H\u00f6re Herr K\u00f6nig! Dir soll ich sagen: Du seyest ein Ehbrecher und M\u00f6rder; sondern es bediente sich dieser kluge Prophet einer Nachdencklichen Geschicht Gedicht/ durch welche er den K\u00f6nig gar artlich dahin brachte/ da\u00df er sich selbst sein eigen Urthel f\u00e4llte/ und er also zur Erk\u00e4nntni\u00df seiner S\u00fcnden gebracht wurde. \u00b6 5. Die Sache verh\u00e4lt sich k\u00fcrtzlich also: als [aq]Nathan[/aq] vor den K\u00f6nig kame/ erzehlte er ihm/ da\u00df zween M\u00e4nner/ ein reicher der sehr viel Schaf und Rin-[S]der gehabt; und ein Armer/ der nur ein eintziges Sch\u00e4flein gehabt/ an welchem er all seine Freude gesehen/ die er sich in der gantzen Welt h\u00e4tte w\u00fcnschen m\u00f6gen. Nun aber habe sichs zu getragen/ da\u00df dem reichen Mann ein Gast zu Hau\u00df kommen; dem er gern h\u00e4tte etwas zu richten lassen wollen. Ob er nun zwar besagter massen sehr viel Schaf und Rinder gehabt/ so habe er doch derselbigen allmiteinander verschonet/ und habe dem armen Mann sein einziges und recht liebes Sch\u00e4flein genommen/ habe dasselbige geschlachtet/ und habe dasselbige vor seinen Gast zu gerichtet. Als David dieses recht unbilliche Verfahren angeh\u00f6ret/ ist er wieder diesen recht gewalth\u00e4tigen reichen Mann im Eyffer entbrannt/ und hat ihm ein ziemlich schwehres Urtheil gef\u00e4llet/ und gesagt: so wahr der HErr lebt/ der Mann ist ein Kind des Todes/ der das gethan hat. Darzu soll er das Schaf vierf\u00e4ltig wiedergeben/ darum/ da\u00df er solches gethan/ und nicht verschonet hat. Kaum David diese Wort au\u00dfgeredet/ da zog der [aq]Nathan[/aq] die Larve vom Gesicht/ redete den K\u00f6nig getrost an und sprach: Du bist derselbige Mann! Du hast das Wort des HErrn verachtet! [aq]Uriam[/aq] den Hethiter hastu erschlagen mit dem Schwerdt! Sein Weib hastu dir zum Weib genommen/ ihn aber hastu erw\u00fcrget mit dem Schwerdt der KinderAmmon. Hierdurch hat [aq]Nathan[/aq] den K\u00f6nig so m\u00fcrb gemacht/ da\u00df er in sich gegangen/ sein Unrecht erkennt/ bitterlich geweinet/ und GOtt seine S\u00fcnde abgebetten. \u00b6 8. Ein ander recht bedenckliches Exempel wird uns an seinem Ort ([aq]b[/aq]. [[aq]Judic. IX. 7. seqq[/aq].]) vorgestellt an den B\u00e4umen/ [S] was dieselbige vor merckw\u00fcrdige Reden unter sich gehalten haben/ da sie einen K\u00f6nig unter sich haben erwehlen wollen. Dann als [aq]Jotham[/aq] der j\u00fcngste Sohn [aq]Jerub Baal[/aq], (der von siebenzig Br\u00fcdern/ so alle erw\u00fcrget worden/ \u00fcbergeblieben war) den Sichemitern ihre Undanckbarkeit/ so sie am Hause Gideon begangen/ nachdr\u00fccklich verweisen wolte/ bediente er sich folgenden Geschicht Gedichts/ indem er die B\u00e4ume/ als redende Personen aufgef\u00fchret/ welche den Oelbaum mit freundlichen Worten angesprochen/ da\u00df er ihr K\u00f6nig seyn solte. Als aber dieser eine abschl\u00e4gliche Antwort von sich gegeben; Seyen sie zum Feigen-Baum gegangen/ und (weil auch dieser nicht gewolt) von dem zum Weinstock. Als nun alle sich mit ehrlichen Ursachen entschuldiget/ und keiner unter ihnen die k\u00f6nigliche Regierung \u00fcbernehmen wollen; seyen alle B\u00e4um zum Dornbusch gegangen/ und gesagt: ists wahr/ da\u00df ihr mich zum K\u00f6nig salbet \u00fcber euch? So kommt und vertrauet euch unter meinen Schatten! Wo aber nicht? So gehe Feuer auf vom Dornbusch und verzehre die Zedern Libanon! \u00b6 9. Allhier mu\u00df man nun nicht meynen da\u00df es ein blosses M\u00e4hrlein/ l\u00e4cherliche Fabel/ oder ein ersonnenes Gedicht seye; sondern es wird unter diesem Gedicht eine merckliche Geschicht bem\u00e4ntelt/ welche sich wahrhafftig begeben/ als die Sichemiter so viel K\u00f6nigs inder unrechtm\u00e4ssiger Weise erw\u00fcrget/ und den Abimelech umgebracht haben/ wie dann solches die Historie mit mehrern Umst\u00e4nden ausf\u00fcndig macht. \u00b6 10. Ob nun diese Exempel nicht vor eine Roman [S] oder ein sinnreiches Geschicht Gedicht/ k\u00f6nne gehalten werden/ lasse ich andere verst\u00e4ndige Leut urtheilen. \u00b6 11. Gesetzt aber? Es werde widersprochen! da\u00df dergleichen Geschicht Gedichte in der H. Schrifft gefunden werden/ wie wir uns deswegen mit keinem Menschen in einigen Wort-Streit uns einzulassen gedencken; (sondern wir lassen einem jeglichen seine Gedancken) so kan doch dieses durchaus nicht gel\u00e4ugnet werden/ da\u00df die geschickteste Leute sich dergleichen Art zu schreiben gemeiniglich bedienen/ indem sie nemlich gleichsam in einem Gedicht eine wahrhafftig geschehene Sache in annehmlicher Erzehlung vorstellen/ und der gantzen Welt kund machen."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"810f21f560c976002eb6777481605869a07ab20d","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":123,"id":"Q123"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q4239$215F6A37-F2B8-4CF0-AE02-4FC22535CF5D","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}