{"entities":{"Q4009":{"pageid":4100,"ns":120,"title":"Item:Q4009","lastrevid":25842,"modified":"2025-01-31T13:58:31Z","type":"item","id":"Q4009","labels":{"de":{"language":"de","value":"[aq]VI[/aq]. Doch so schlecht als sich die Sorge von vielen [aq]seculis[/aq] angelassen/ so ein guter Wechsel entstund auch mit der Deutschen Sprache zu Anfang des vorigen seculi, welchen wir der wunderbaren [aq]providenz[/aq] Gottes zuschreiben m\u00fcssen. Denn gleich wie GOtt/ als er dort eine Stiffts-H\u00fctten vonn\u00f6then hatte/ den [aq]Bezaleel[/aq] mit einer geschickten Hand begabete/ da\u00df er in Sti-[S]cken/ Schnitzen/ Goldarbeiten/ Steinschneiden und andern/ dergleichen Dinge [aq]praesti[/aq]rte/ die er von andern weder gesehen noch gelernet hatte; so war es auch dazumahl beschaffen/ als Gott das wichtige [aq]reformations[/aq]-Werck wolte vor sich gehen lassen/ da bekam der Herr Lutherus so eine unvergleichliche und wundersch\u00f6ne Manier deutsch zuschreiben/ da\u00df er bey seiner guten Sache zugleich mit dem ungemeinen [aq]stylo[/aq] durchdringen konte. \u00b6 [aq]VII[/aq]. Nun kamen allerhand gute [aq]studia[/aq] mit der Religion empor/ und da man der Jugend die besten [aq]Autores[/aq] wiederum in die H\u00e4nde kommen lie\u00df/ so kunte es nicht fehlen/ es muste auch etwas darvon den deutschen Versen eingepflantzet werden; ja der Herr Lutherus war ein guter [aq]Musicus[/aq] darbey/ hatte auch [aq]correspondenz[/aq] mit den vornehmsten [aq]Musicis[/aq], und dannenhero ward er in seinen Versen durch drey sonderbahre St\u00fccke treflich [aq]secundi[/aq]rt. Vor eins hatte er die [aq]Reali[/aq]t\u00e4t/ das ist/ er verstund die Sache wol/ und lie\u00df sichs einen Ernst seyn die Worte mit einem tapffren Nachdruck hinzuschreiben. Darnach hat-[S]te er die Reinigkeit und die geschickte [aq]construction[/aq] der Sprache. Endlich den Verstand von der [aq]Scansion[/aq] und der Liebligkeit/ das ist/ die [aq]conformi[/aq]t\u00e4t der Worte mit dem Gesange. \u00b6 [aq]VIII[/aq]. Ich wei\u00df wol/ des Herrn Lutheri Verse sind dreyerley: Etliche hat er gezwungen gemacht/ wenn er ein Lateinisch Lied hat [aq]verti[/aq]ren wollen; etliche hat er geschwinde hingemacht/ wenn er guten Freunden zugefallen etwas geschrieben/ dazu er keinen sonderlichen Flei\u00df gebraucht/ und also zu reden/ die damahlige Mode der Meister-S\u00e4nger mit gehalten hat: an etlichen aber hat er seine Kunst und seine Andacht gewiesen/ hat auch vermuthlich etwas [aq]praesti[/aq]ret/ darinne er noch von keinem [aq]po\u00ebten[/aq] ist \u00fcbertroffen worden. \u00b6 [aq]1[/aq]. Wenn dieser theure Mann kein Lied gemacht h\u00e4tte/ als: Nun freuet euch/ lieben Christen gemein/ oder: Eine feste Burg ist unser GOtt etc. so w\u00fcrde er die\u00df Lob verdienen; denn wie hat jedwedere Zeile ihren eigenen Verstand? Wie deutlich und ungezwungen l\u00e4ufft der [aq]Sensus[/aq]? und war vor ein unvergleichlicher Macht-Spruch steckt allzeit in der letzten Zeile/ welche deswegen an keinen Reim gebunden ist/ damit der [aq]emphati[/aq]schen Rede nichts abgebrochen wird. [S] \u00b6 [aq]2[/aq]. Ist etwas [aq]curieuses[/aq] in diesen Liedern/ so ist es die freye Madrigalische Art mit der letzten Zeile: Denn ob gleich die Br\u00fcder in B\u00f6hmen ihre Lieder meistens so eingerichtet haben/ da\u00df die letzte Zeile mit den obigen den dritten Reim macht; ob auch wohl die meisten/ zu unserer Zeit etwas kluges in dem Reime gesucht haben. Z. E. Herr Rist: \u00b6 GOtt sey gelobet/ der allein \u00b6 [...] \u00b6 So hab ich doch aus besserem Nachdencken gefunden/ da\u00df man sich durch den gezwungenen Reim viel Krafft und Nachdruck mu\u00df entgehen lassen. \u00b6 [aq]3[/aq]. Ja/ wenn der Herr Lutherus nach Erfoderung der Sache/ wenn er einen eyfrigen [aq]raptum[/aq] hatte/ was hohes und [aq]oratori[/aq]sches mit einmischen wolte/ so gieng es ihm nicht ungl\u00fccklich von statten. Man sehe nur das Lied an/ welches er [aq]1522[/aq]. auf die zwey Studenten gemacht/ die zu Br\u00fcssel wegen der Religion verbrant wurden. Die zehende [aq]Strophe[/aq] ist diese: \u00b6 Die Asche will nicht lassen ab/ \u00b6 [...][S][...] \u00b6 Und mit dieser ward beschlossen: \u00b6 Die la\u00df man liegen immerhin/ \u00b6 [...] \u00b6 [aq]IX[/aq]. Nachdem nun die Schrifften und die Lieder allenthalben ausgebreitet und gelesen wurden/ so liessen sich viel [aq]ingenia[/aq] darzu auffmuntern/ da\u00df sie vornehmlich in geistlichen Liedern/ die wir noch in der Kirche behalten haben/ was sonderliches thaten. \u00b6 [aq]1[/aq]. Was [aq]D[/aq]. Justus Jonas vor einen Geist gehabt/ und wie sch\u00f6n er die freye Zeile hat anbringen k\u00f6nnen/ solches sieht man aus dem Liede: Wo GOtt der HErr nicht bey uns h\u00e4lt. [S] \u00b6 [aq]2[/aq]. Es hat sich auch der Herr Lutherus trefflich gefreuet/ wenn sich etliche geistreiche M\u00e4nner des Werckes wol angenommen haben. Z. E. Es hatte der bekandte [aq]Paulus Speratus[/aq] in Preussen das Lied gemacht: Es ist das Heil uns kommen her. Solches bringt ein Bettler mit nach Wittenberg/ und singet es gleich gegen \u00fcber/ wo der Herr Lutherus sein [aq]Logement[/aq] hat. Der rufft den Bettler und l\u00e4st sichs auch singen/ und erfreut sich von Hertzen dr\u00fcber/ da\u00df GOtt sein Evangelium auch durch solche wolgesetzte Lieder ausbreiten wolte. \u00b6 [aq]3[/aq]. Wiewol unter allen/ welche sich in diesem St\u00fccke wol hervor gethan haben/ hat meines Bed\u00fcnckens niemand so eine liebliche und richtige Manier zuf\u00fchren gewust/ als [aq]Bartholomaeus[/aq] Ringewald Pfarrherr zu Langenfeld in der Marck unter dem Amte Sonnenburg gelegen/ davon man nur die zwey Lieder zur Probe nehmen kan: Es ist gewi\u00dflich an der Zeit/ und: HErr JEsu Christ du h\u00f6chstes Gut. Wenn man auch seine zwey B\u00fccher die lautere Warheit und den treuen Eckhart ansiehet: so merckt man wol/ da\u00df sich der stylus allemahl durch etwas ungezwungenes [aq]recommendirt[/aq]. Z. E. Wenn er eine b\u00f6se Magd beschreibt: \u00b6 Darzu zerbricht auch dieser R\u00fcssel \u00b6 [...][S] \u00b6 [aq]X[/aq]. Im Jochims Thal hat der Pfarrher Johannes [aq]Matthesius[/aq] und der [aq]Cantor[/aq] Nicol Herman was sonderliches gethan: denn mehrentheils hat Herr [aq]Matthesius[/aq] die realia und der andere die [aq]formalia[/aq] darzu getragen. Also mu\u00df man sich vielmahl \u00fcber die [aq]sententi\u00f6[/aq]se Manier verwundern. Denn der vielf\u00e4ltigen Kirchen-Lieder zugeschweigen/ so sehe man nur die Haus-Regeln an/ da ich nur etwas zum Exempel setze: \u00b6 [...] \u00b6 Ferner: \u00b6 Was du wilst/ das man dir nicht thu/"}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"8c9fd503ef79f668d4bbbd9f73fe528363d833a6","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":120,"id":"Q120"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q4009$B239F2D9-9281-476E-9F41-D8670FE6DAA5","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}