{"entities":{"Q3213":{"pageid":3303,"ns":120,"title":"Item:Q3213","lastrevid":21552,"modified":"2025-01-31T12:51:07Z","type":"item","id":"Q3213","labels":{"de":{"language":"de","value":"50 Es waltet auch hier die Frage/ ob ein Christlicher Poet/ in seinen Gedichten/ der Heidnischen G\u00f6tter Namen gebrauchen d\u00f6rfe? Die/ so es be-[S]haupten wollen/ halten daf\u00fcr / da\u00df der Poesy gr\u00f6ste Zierde in einf\u00fchrung solcher Namen bestehe. Sie wenden auch vor/ man verstehe darunter/ nicht die Heidnische G\u00f6tter/ sondern die Tugenden/ Laster und andere Eigenschaften Gottes und der Menschen. Ferner sp\u00f6tteln sie/ es seyen nur Worte/ und keine Gefahr dabei/ da\u00df jemand dadurch zum Heiden gemacht werde: weil man sie nur nenne/ aber nicht anbete. \u00b6 51 Es ist aber hiergegen zu sagen/ da\u00df GOtt/ nicht allein in dem Ersten von seinen Donner-Geboten verboten/ keine andere G\u00f6tter neben ihm zu haben/ sondern auch sonst ausdr\u00fccklich befihlet: Anderer G\u00f6tter Namen solt ihr nicht gedenken/ und aus eurem Mund (Feder) sollen sie nicht geh\u00f6rt werden. ([aq]a[/aq] [2. Buch Mos. 23. V. 13.]) Diese G\u00f6tter oder G\u00f6tzen/ sind entweder Menschen/ die den wahren GOtt nicht erkennet/ oder gar Teufel gewesen/ die auch nun in der H\u00f6lle beisammen wohnen. Es haben ihnen auch die Heidnsiche Poe-[S]ten allerhand Laster und Bosheiten zugeschrieben/ als da\u00df sie Ehbrecher und Huren/ Diebe/ M\u00f6rder/ S\u00e4uffer gewesen/ einander geneidet und angefeindet: welches ja die h\u00f6chste Unvernunft ist/ weil der Gottheit kein Laster eignet/ sondern vielmehr die h\u00f6chste Unschuld und Tugendvollkommenheit. Deswegen hat auch Plato/ die Poeten/ von seinem Regir-Staat ausgeschlossen. Da nun ein Heide nicht dulten k\u00f6nnen/ da\u00df man G\u00f6ttern Bosheit zugeschrieben: wie solte es dan GOtt an seinen Christen nicht misfallen/ wann sie den Dagon neben die Bundslade stellen/ und mit der Hand/ da sie in der H. Taufe ihm gehuldigt und dem Satan abgesaget/ von Teufeln reden und schreiben. \u00b6 52 Man wil zwar sagen/ [aq]Homerus[/aq], unter den Poeten (soviel man wei\u00df) der \u00e4ltste/ habe nur eine Fabel geschrieben/ wie heutigs tags die Romanzen oder Geschicht-Gedichte sind/ und unter den Namen der G\u00f6tter/ das Verh\u00e4ngnis/ den Krieg/ die Liebe und anders dergleichen verstanden. Es ist [S] aber solches nicht erweislich/ weil der G\u00f6tzendienst schon vor ihme \u00fcblich gewesen: und hat er damit [aq]Virgilio, Ovidio[/aq] und andren folgenden Poeten/ von G\u00f6tzen zu reden/ Ordnung und Anla\u00df gegeben. \u00b6 53 Es ist wol die gr\u00f6ste Gottsl\u00e4sterung/ wan man GOtt mit einem Namen nennet/ den vordessen ein G\u00f6tz oder Teufel gef\u00fchret. Wie sol GOtt gut hei\u00dfen/ da man ihn Jupiter nennet: ob es schon [aq]juvans pater[/aq], ein Helfe-Vatter/ zu Teutsch hei\u00dfet. So kan er auch nicht vertragen/ da er die Liebe selber ist/ da\u00df man diese Tugend oder Eigenschaft mit den Namen der geilen Venus bekleide. Die Israeliten/ verstunden/ unter den g\u00fcldnen K\u00e4lbern/ und unter dem Namen Baal/ den wahren GOtt: aber GOtt ergrimmte \u00fcber das Kalb-Fest/ und wolte darum das ganze Volk verderben. Er sagte auch/ durch den Profeten: Du solst mich nimmer Baal nennen/ und ich wil den Namen der Baalim von ihrem Munde weg thun/ da\u00df man deren nicht mehr gedenken soll. ([aq]b[/aq] [Hos. 2. V. 17.]) [S] \u00b6 54 Da\u00df Gefahr hierbei sei/ erhellet gnugsam: da manche sich derma\u00dfen in die Heidnische Altertum-Sachen verlieben/ da\u00df sie dar\u00fcber/ wo nicht zu Heiden/ jedoch zu Atheisten werden. [aq]Hubertus Golzius[/aq] hat sich nicht gescheuet/ nach verrichteter L\u00e4nderReise/ dem Wander G\u00f6tzen [aq]Mercurio[/aq] einen [aq]Hymnum[/aq] zu schreiben. Dergleichen G\u00f6tzenGedichte/ findet man hin und wieder in den Schriften unserer Poeten/ und werden insonderheit die Venus und ihr Cupido fast von allen/ als G\u00f6tter/ angeruffen. [aq]Justus Lipsius[/aq] hat/ f\u00fcr seinen Garten/ eine F\u00fcrbitte an sie geschrieben. ([aq]c[/aq] [[aq]Epist. Cent. I 27.[/aq]]) Also haben [aq]Dan. Heinsius[/aq] und unser Opitz/ den Kriegs- und Wein-G\u00f6tzen [aq]Marti[/aq] und [aq]Baccho[/aq], Lobges\u00e4nge verfasset. Von solchen Poeten/ kan man mit eines vornehmen GottesLehrer Worten ([aq]d[/aq] [[aq]J. V. Andreae Mythol. man. II 35.[/aq]]) sagen: Es ist zu zweiflen/ ob GOtt deme beiwohne/ der an h\u00f6llischen G\u00f6tzen gefallen hat? und ob der an den Himmel recht gedenke/ der \u00f6f-[S]ter die Venus als die GottesMutter Maria/ den Cupido als das HimmelKind Immanuel/ den [aq]Phoebum[/aq], als den H. Geist/ den Berg Parna\u00df als den Oelberg/ die Elysische Felder als das Paradeis/ und Fabeln als das himlische Wort der Warheit/ in dem Mund seiner Feder f\u00fchret? \u00b6 55 Da\u00df aber nicht eben alle Zier der Gedichte an diesen Heidnischen G\u00f6tzengew\u00e4sche gelegen sei/ zeigen die erste Christliche Poeten [aq]Juvencus, Prudentius, Venantius Fortunatus[/aq] und mehr andere/ die viel sch\u00f6ne [aq]Carmina[/aq] ohne solchen G\u00f6tzen-kleck hinterlassen. Die H. Schrift hat viel warhafte sch\u00f6ne Geschichten/ die man/ an stat dieser L\u00fcgen/ einf\u00fchren kan. Es ist auch ohnedas/ der Heidnische G\u00f6tzen-Krempel/ lauter Affenwerk des Satans/ aus H. Schrift genommen. Was sind Jupiter und Juno anders/ als Adam und Eva/ das erste paar Menschen? Jubal, Tubalkain und Naema/ ([aq]e[/aq] [[aq]\u00e0 rad.[/aq][hebr.], [aq]amoenus, venustus.[/aq]]) sind Orfeus/ Vulcanus [S] und Venus. Noah/ ist Janus/ Bacchus und Deucaleon. Was sind die Himmelst\u00fcrmende Riesen anders/ als die Babylonische Thurn-bauer? Was ist gleicher/ als Jacob oder Mose und Apollo/ beiderseits Exulanten und Hirten? Miriam und Diana? Joseph/ und Phryxus mit der Ph\u00e4dra? \u00b6 56 Will man das Gedichte mit Historien zieren/ was ist sch\u00f6ner/ als die Welt-Erschaffung/ welche [aq]Ovidius[/aq] fast ganz aus dem Ersten Buch Mose genommen? Was ist tr\u00fcbseliger/ als der Menschen-Fall/ die S\u00fcndflut/ der Sodomer-Gegend SchwefelSee? Was ist himlischer/ als die Erscheinung Gottes/ dem Abraham geschehen/ da er warhafter/ als Baucis und Filemon/ den Gott Elohim bewirtet? Was ist annemlicher/ als das Opfer Isaac/ der Traum und Sch\u00e4ferstand Jacobs/ die Verfolg- und Erh\u00f6hung Josefs/ die Hinwerfung und Erhebung des Kinds Mose/ die zehen Plagen von Egypten/ der Gang durch Meer und Jordan/ des Josua Sonnestillstellen/ das Manna oder Himmel-[S]Brod/ die Eroberung des Gelobten Landes? Will man von Tyrannen und Riesen reden: hier sind Nimrod/ Og und Goliath. \u00b6 57 Und wil man einen Parna\u00df und Apollo/ einen Delfis-Tempel/ die Musen und ihren K\u00fcnste-brunn haben: Hier sind/ die Berge Sion/ Hermon/ Carmel/ Thabor und Libanon; der K\u00f6nig David/ mit der Harffe und dem Lieder-Psalter/ mit dem Goliaths-Sieg; der Tempel Salomons mit seiner BundsLade; die gelehrte and\u00e4chtige Weibspersonen Miriam/ Debora/ zwo Hannen/ die Tochter Jephtha/ die Arabische K\u00f6nigin Maqueda/ die Hulda und Judith/ die H. Gottes Mutter Maria/ und mehr andere; der Jordan/ der Bach Kidron/ und der Brunn Siloha/ so aus dem Berg Sion entqwollen. Und hat nicht JEsus Christus/ der rechte F\u00f6bus und Sonne der Gerechtigkeit/ den h\u00f6llischen Python erw\u00fcrget/ die Menschheit angenommen/ die Gemeine/ wie Salomon seine Sulamith/ geliebet/ und sie/ wie Perseus die [S] Andromeda/ von dem h\u00f6llischen Drachen erledigt? Da haben wir/ an stat des Hercules/ den L\u00f6wenzwinger Simson und viel andere Helden; an stat der Venus/ die keusche Gottesgeb\u00e4rerin/ da ein Christlicher Poet wol sagen und dichten kan: \u00b6 Weg mit eurer Huren-G\u00f6ttin/ Heide/ Mahler und Poet! [\u2026] \u00b6 58 Aus besagtem wil nun erhellen/ da\u00df auf unsere Frage mit Nein zu antworten sei. Dieses ist zwar erlaubt/ da\u00df man eine Tugend/ oder ein Laster in der person eines Engels oder Knabens/ einer Jungfrauen oder Matron/ oder einen Baum/ wie Jothan in H. Schrift/ einen Flu\u00df/ Stadt oder Land/ und dergleichen/ unter erdichteten Namen/ mit einf\u00fchret: nur da\u00df es nicht [S] solche seyen/ die von den Heiden angebetet worden. Also kan man dichten/ wie den Paulus ein Engel aus dem Schiffbruch gezogen/ dem Judas Maccabeus ein Schwerd in der Schlacht zugestellt/ und den Tobias in Menschengestalt begleitet; wie ein Gottloser die b\u00f6se Geister zu H\u00fclfe beruffen. Und hierinn hat man zum Vorg\u00e4nger den Italischen Poeten [aq]Torquato Tasso[/aq], welcher solches in seinem Erl\u00f6sten Jerusalem meisterlich zu werk gerichtet. \u00b6 59 Es erscheinet auch hieraus/ was von Schau- und Danz-Spielen zu halten sei/ da Heidnische G\u00f6tter redend oder sigend eingef\u00fchret werden: wovon hier/ um k\u00fcrze willen/ nur noch diese ehmals hier\u00fcber verfasste Verse reden. \u00b6 Sind sie es dann alleine/ die Walonen/"}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"f8bf4387959d5f01672959df273086f61086af5a","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":111,"id":"Q111"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q3213$0249F60E-CEC9-43BD-B7CB-8C87F12783F6","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}