{"entities":{"Q3209":{"pageid":3299,"ns":120,"title":"Item:Q3209","lastrevid":25265,"modified":"2025-01-31T13:50:54Z","type":"item","id":"Q3209","labels":{"de":{"language":"de","value":"Der f\u00fcrtreffliche Poet [aq]Horatius[/aq], hat hier\u00fcber diesen ausspruch hinterlassen: \u00b6 [aq]Neque enim concludere versum * [Horat. ad. Pison.][/aq] \u00b6 [aq]dixeris esse satis, neque, si quis scribat, uti mos,[/aq] \u00b6 [aq]sermoni propiora, putes hunc esse Po\u00ebtam.[/aq] \u00b6 [aq]Ingenium cui fit, cui mens divinior atque os[/aq] \u00b6 [aq]magna sonaturum, do nominis hujus honorem[/aq]. \u00b6 Nicht gnug ist/ Zeil und Zeil wol binden/ und wol reimen: \u00b6 Nicht ist Poetisirn/ all Tages-Reden leimen. \u00b6 Der Geist und Feuer hat/ der h\u00f6her denkt und redt \u00b6 als sonst ein P\u00f6belKopf der heist mir ein Poet. \u00b6 127 So folget dann hieraus/ da\u00df ein SylbenKlecker und Reimtr\u00e4umer kein Poet sei/ und da\u00df dieser Name viel ein mehres hinter sich habe/ als die Unwissenden ihnen traumen lassen. Bei [S] den R\u00f6mern/ gienga das Spr\u00fcchwort: [aq]Orator fit, Po\u00ebta nascitur[/aq]; Rednere werden gemacht/ n\u00e4mlich durch die Redkunst-Lehre/ aber Poeten werden gebohren. Solches erkl\u00e4ret [aq]Cicero[/aq], da er saget: ([aq]a[/aq] [[aq]Or. pro. Arch.[/aq]]) [aq]Po\u00ebtam natur\u00e2 valere, & quasi divino spiritu afflari[/aq]; ein Poet werde von der Natur zum dichten gef\u00e4higt/ und gleichsam von einer G\u00f6ttlichen Begeisterung angeflammet. Und anderswo ([aq]b[/aq] [I [aq]Tuscul. quaest.[/aq]]) schreibet er: [aq]Po\u00ebtas gravia carmina coelesti instinctu fundere[/aq]; Die Poeten dichten aus Antrieb einer himmlischen Regung. Vielleicht hat er von dem Plato also reden gelernet/ welcher schreibet: ([aq]c[/aq] [[aq]Pl. in Ion[/aq]. [griech.]]) Sie/ die Poeten/ reden nicht aus eignem Kunstverm\u00f6gen/ sondern durch Kraft eines G\u00f6ttlichen Triebs. Sie sinds nicht/ die da reden/ dann ihr Geist ist entz\u00fcckt/ sondern Gott ist es/ der durch sie redet. \u00b6 128 Diese Kunst/ ist freilich etwas [S] G\u00f6ttliches oder Englisches: wie dann zu vermuten ist/ da\u00df die Engel im Himmel/ die Gott immer mit Lobgesang ehren/ f\u00fcrtreffliche Poeten seyn m\u00fc\u00dfen. Man sihet/ da\u00df mancher Gelehrter/ der das ganze Buch der Wei\u00dfheit hinein geschlucket/ mit aller seiner Wissenschaft keinen guten Vers zu wege bringen kan: da hingegen mancher geistiger Kopf oftmals ein Gedicht hervor gibet/ das so angenehm redet/ als wann es von Himmel herab geflogen w\u00e4re. [aq]Ovidius[/aq]/ der wol ein gebohrner Poet hei\u00dfen mag/ weil sein Reden in der Kindheit lauter Verse gewesen/ ([aq]d[/aq] [l. 4.[aq]Trist.[/aq]]) hat dieses wol gewust/ und daher also hiervon geschrieben: \u00b6 [aq]Est Deus in nobis, agitante calescimus illo:[/aq] \u00b6 [aq]impetus hic sanae femina mentis habet (e[/aq] [l. 6. Fast.] \u00b6 [aq]Est Deus in nobis, sunt & commercia coeli:[/aq] \u00b6 [aq]Sedibus atheriis spiritus ille venit. (f[/aq] [l. 3 de A. A.] \u00b6 D.i. \u00b6 [aq]Gott weht und webt in uns/ von dem wir brennend werden:[/aq] \u00b6 [aq]sein Odem ist die Flamm/ die unsre Sinne speist[/aq][S] \u00b6 [aq]Gott wohnt in uns/ verm\u00e4hlt den Himmel mit der Erden:[/aq] \u00b6 [aq]von seiner Sternenburg steigt dieser Dichter-Geist.[/aq] \u00b6 Und um de\u00df willen ist je billig/ da\u00df dieser G\u00f6ttliche Trieb nicht zu ung\u00f6ttlichen Sachen verwendet/ und eine so heilige Regung nicht mit den Koht der Eitelkeit bemailigt werde. \u00b6 129 Es wird aber/ solcher G\u00f6ttlichen Begeisterung/ gleichsam durch die Natur der Weg gebahnet/ mit einpflanzung/ sowol eines hurtigen Geistes/ als einer redf\u00e4rtigen Zunge oder Feder: welches die Griechen die Wolangeborenheit ([griech.]) nennen. Vor allem mu\u00df ein Poet seyn Scharfsinnig/ ([griech]) und ihme von einem Dinge mancherlei Bildungen vorstellen k\u00f6nnen. Dann seine Kunst und das Dichten/ hat den Namen vom Denken/ und flie\u00dfet aus den Gedanken in die Worte. Die Scharfsinnigkeit/ mu\u00df mit der Wolredenheit vereinigt seyn/ welche wol hervorzugeben wisse/ was jene ersonnen: Daher haben die Alten R\u00f6mer/ aus ihrer Pallas und dem Mercurius/ aus bei-[S]den eine/ Seule gebildet/ und sie auch mit dem Zwidter-Namen [aq]Hermathena[/aq] ([aq]g[/aq] [[griech].] benennet. Die Erfindung aber ist die Seele des Gedichtes/ und dessen Hauptstuck/ daher jener gesagt: mein Gedicht ist f\u00e4rtig/ bis auf die Worte. \u00b6 130 Es folget aber hieraus nicht/ da\u00df ein Poet von Natur ein Poet sey/ und ganz keine Belehrung vonn\u00f6ten habe."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"f8bf4387959d5f01672959df273086f61086af5a","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":111,"id":"Q111"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q3209$51C85832-32B1-4DE5-BB46-3F9CBB82AF3E","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}