{"entities":{"Q3198":{"pageid":3288,"ns":120,"title":"Item:Q3198","lastrevid":21556,"modified":"2025-01-31T12:51:07Z","type":"item","id":"Q3198","labels":{"de":{"language":"de","value":"11 So ist nun klar und wahr/ da\u00df die edle Poesy/ nach der Musik/ die \u00e4ltste Kunst/ und vor allen andern K\u00fcnsten am ersten sei erfun-[S]den worden/ da noch keine Gottes-Staats-Verstand-Tugend-oder Natur-Lehre am tag gewesen. Ja es sind/ von dieser/ nach und nach die andere Wissenschaften entsprungen. Es hat ja Orfeus/ der \u00e4ltsten Griechischen Poeten einer und unter den Heiden der erste [aq]Theologus[/aq], die G\u00f6tter mit [aq]Hymnis[/aq] und Liedern verehret/ und nach dem Vorspiel Amfons/ mit seinen Poetischen Sitten- und Tugend-Lehren/ die wilde in W\u00e4ldern und auf Bergen herum schweiffende verstreute Leute/ in D\u00f6rfer/ M\u00e4rkte und St\u00e4dte zuhauf gesammlet/ und in das Band Menschlicher Gesellschaft eingefangen: daher von ihm die Fabel entstanden/ er habe mit seinem Sing- und Seitenspiel/ die Thiere/ Steine und B\u00e4ume an sich gezogen. Die Poesy ist freilich die Kunst/ so mit den Gottes-Liedern angefangen. Sie ist die rechte Pallas/ von deren die Griechen gedichtet/ da\u00df Jupiter sie aus seinem Gehirne [S] gebohren habe: wie dann alle Wei\u00dfheit von GOtt kommet. \u00b6 12 Die Heiden wusten dieses: darum haben sie/ nicht nur eine Pallas oder KunstG\u00f6ttin/ sondern auch einen Apollo oder Vorsteher der neun Musen erdichtet/ ihm eine Cyther in die Hand/ und die Berge Parnassus und Helikon zur Wohnung gegeben/ einen Brunn daraus herabflie\u00dfen gemacht/ und vorgegeben/ man trinke Geist-Feuer mit selbigem Wasser in sich/ und man erwache ein guter Poet/ wann man auf dieser Berge einem eingeschlaffen. Dieses hat/ der Feind und Affe Gottes/ von David dem K\u00f6nig und Poeten abgesehen: welcher viel S\u00e4nger und Poeten/ als Musen/ um und unter sich gehabt/ auf dem Berg Sion gewohnt/ daraus der Brunn Siloha geflo\u00dfen/ auf der Harffen gespielet/ und in deren Thon viel Psalmen gesungen. Im I Sch\u00e4ferGedichte des II Theils der Pegnesis/ der Norische Parna\u00df [S] genannt/ wird dieses umst\u00e4ndlicher ausgef\u00fchret. \u00b6 13 Von den Brunnen insonderheit/ ist bei den Heiden viel Aberglaube gewesen/ und haben sie dieselben/ weil sie also unabl\u00e4\u00dfig rinnen und ihren Lauf behalten/ f\u00fcr G\u00f6ttlich gehalten/ auch ihneu Nymfen und Najaden zu Vorsteherinnen zugeeignet. Da\u00df aber ein Brunn den Geist der Poesy eingie\u00dfen soll/ scheinet daher entsprungen zu seyn. In der ersten Welt/ wann die Weibspersonen bei den Brunnen/ um Badens willen/ zusammen kamen/ haben sie die Mannspersonen nach sich gezogen/ welche/ ihre Leibssch\u00f6nheit zu beschauen/ begierig gewesen: dergleichen mit der Diana und ihren Nymfen/ und mit dem Act\u00e4on/ sich zugetragen. Weil nun/ durch solche Anschauung/ in den Herzen der Mannspersonen die Liebe angez\u00fcndet worden/ haben sie mit Gesang-Rede derselben Weibsbilder Sch\u00f6nheit gepriesen/ und [S] um deren Holdschaft angesuchet. Daher entstunde die Sage und Fabel/ man lerne bei den Brunnen ein Poet seyn/ sch\u00f6pfe und trinke diese Kunst (mit den Augen/ aber nicht mit dem Munde) aus denselben. Also haben die heilige Hirten Jacob und Mose/ bei Brunnen/ ihre Sch\u00f6nen gefunden die sie hernach geliebet und mit Liedern beehret: wie dann auch sonst gemeinlich junge Poeten/ mit Liebssachen/ zu poetisiren anfangen. Sidonius verlachet solche Brunn-Poeten/ und saget/ Ein Gedichte m\u00fc\u00dfe/ nicht aus dem Strom/ sondern aus der Stirn hervorschwitzen. ([aq]l[/aq] [[aq]Carmen non t\u00e0m fonte, qu\u00e0m fronte Sudari[/aq]. I. 8. Cp. 3.]) \u00b6 14 Es ist aber ein anderes Wasser/ mit welchem die Dicht-f\u00e4higkeit einflie\u00dfet/ n\u00e4mlich die Feuer-Flut des himlischen Geistes/ von welchem Plato also redet: Das Gem\u00fcte kan keine Brut empfangen oder geb\u00e4hren/ es werde dann durch einen Strom von Himmel herab \u00fcber-[S]gossen und beschw\u00e4mmet. Der Himmel/ oder die Wohnung der Herrlichkeit Gottes/ wo nicht nur Neune/ sondern viel 1000000 Musen wohnen und ein LobLied nach dem andern anstimmen/ ist der rechte Parnassus/ daraus diese Geistes-Flut erqwillet und herabschie\u00dfet. Gleichwie aber das von oben abfallende Wasser/ wann es durch R\u00f6hren in ein Brunngef\u00e4\u00df geleitet wird/ in demselben wieder empor und hervorspringet: also soll die DichtKunst/ weil sie vom Himmel einflie\u00dfet/ wieder gen Himmel steigen und Gott zu Ehren verwendet werden. Sind also die Poeten himlische Spring Brunnen/ oder sie sollen solche seyn/ und das Himmels-Flut Feuer nicht Irdisch verwenden: worauf mit dem Titel-Sinnbild gezielet worden/ da die Poesy und Andacht/ als die wahre Uranie in zweyen Personen/ vor einem solchen Brunnen sitzet. Solcher gestalt wird/ die Erde/ zum Echo und Gegenhall des Him-[S]mels/ und GOtt/ wie billig/ droben und hierunten beehret. \u00b6 15 Es haben jederzeit Welt-Hohe sich gefunden/ die nicht allein die Poesy geliebt/ sondern auch selber Poeten gewesen. Waren nicht/ wie erwehnt/ David und Salomon gro\u00dfe K\u00f6nige?"}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"f8bf4387959d5f01672959df273086f61086af5a","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":111,"id":"Q111"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q3198$4735600A-09D1-4622-9369-8C08C3B5B69D","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}