{"entities":{"Q3078":{"pageid":3168,"ns":120,"title":"Item:Q3078","lastrevid":25601,"modified":"2025-01-31T13:57:57Z","type":"item","id":"Q3078","labels":{"de":{"language":"de","value":"D. Bei diesem fehler im worte des verlangen/ den mein Herr eben verbessert/ erinnere ich mich itzund/ da\u00df ich in einem liede gelesen: hilf mir/ du Schutzherr Israel ach! hilf/ hilf meiner seel'. Nuhn habe ich mich allezeit daran gesto\u00dfen/ und es f\u00fcr eine s\u00fcnde wider das erste geboht gehalten/ da\u00df man solcher gestalt redete/ indem alhier Israel/ als ein schutzherr/ angebehtet w\u00fcrde. Ja ich meinte nicht anders/ als da\u00df es ein P\u00e4bstler gemacht. Aber nun sehe ich aus seiner erinnerung/ da\u00df es du Schutzherr Israels heissen sol: darunter ich dan den wahren GOTT verstehe/ n\u00e4hmlich den GOTT Israels oder Jakobs. \u00b6 M. Freilich ist es nicht wohl getahn/ da\u00df etliche zuweilen/ des reimes wegen/ das end-s von derglei-[S]chen w\u00f6rtern wegla\u00dfen/ und also den gantzen sin der rede ver\u00e4ndern/ verkehren und verw\u00fcrren: gleich wie man alhier im worte Israels getahn/ nur darum/ da\u00df es sich mit seel' reimen k\u00f6nte. Auch kan ich demselben nicht gleich geben/ der nach Lateinischem gebrauche/ f\u00fcrgiebet/ man m\u00f6chte die fremden eigenen nahmen in unserer sprache/ durch ihre beugendungen und f\u00e4lle/ den eingebohrnen Deutschen w\u00f6rtern nach/ beugen/ oder nicht/ es sei alles eins. Ja wan in obangezogenem liede dem worte Israel das geschlechtswort des vorgesetzt were/ da\u00df man daraus die f\u00e4lle sehen/ und den eigendlichen sin vernehmen k\u00f6nte/ damit es hiesse/ du schutzherr des Israel; so m\u00f6chte es zwar/ als eine pritschmeisterische freiheit/ hingehen. Aber der rechtm\u00e4\u00dfige gebrauch wil auch dieses in denen fremden w\u00f6rtern/ die nicht schon auf ein s ausgehen/ gantz nicht billigen; sondern man mus dannoch das s darzu setzen/ ob gleich das geschlechtsw\u00f6rtlein des voran stehet/ und sagen: du Schutzherr des Israels/ des Jakobs/ des Abrahams/ des Davids; oder du Schutzherr Israels/ Jakobs/ Abrahams/ Davids/ usf. ohne das geschlechtsw\u00f6rtlein des. Ein anders ist es/ wie wir nur itzund gesagt/ wan dergleichen undeutsche eigene nahmen schon auf ein s ausgehen/ als Demostenes/ Pindarus/ Jesaias/ Enos usf. Als/ dan sagt man nicht unrecht: der GOtt des Jesaias/ des Enos/ die rede des Demostenes/ das lied des Pindarus. Aber wan man auch bei diesen das geschlechtswort des allezeit wegla\u00dfen wolte; so w\u00fcrde es zuweilen ohne verw\u00fcrrung und verdunkelung des sinnes nicht geschehen: es sei dan/ da\u00df man solche nah-[S]men auf unsere ahrt/ wo es sich schikken kan/ beugen wolle/ und sagen: der Gott Jeremisens/ oder Jesaisens Gott/ Pinders lied/ usf. Die rede Demostenesens kan ich nicht sagen/ weil das wort zu lang wird: auch nicht/ die rede Demostenes: aber wohl Demostenes rede/ wan der eigene nahme voran stehet. Dan also kan iederman wohl vernehmen/ was ich sagen wil. Hierbei mus ich noch eins erinnern. Einsmahls kahm mir ein Lied vom Leiden unsers Heilandes zu handen/ darinnen sein k\u00fcnstler unsern Heiland also anredete: Du starker zwinger Belial/ erh\u00f6re meiner stimme schal: das reimete sich zwar/ aber was es dem sinne vor eine verdunkelung gebracht/ habe ich wohl erfahren. Dan ich fragte straks sechs \u00fcmstehende/ die doch sonst ziemliches verstandes waren: wer alhier durch die worte/ du zwinger Belial/ angeredet w\u00fcrde? Diese gaben alle zur antwort: der Teufel; dan also werde er ja in den h. Schrift genennet. Das war erschr\u00f6klich zu h\u00f6ren/ da\u00df die leser den Teufel verstunden/ wie dan auch die worte/ dem buchstaben nach/ keinen andern verstand hatten; da doch der Reimenschmid (dan anders konte es nicht sein) unsern HERRN und Heiland/ den Widersacher und Bezwinger des Teufels/ wolte verstanden haben. So bald ich sie aber ferner fragte: wen sie dan durch diese worte/ der \u00fcberwinder Belials (die ich mit fleis also ver\u00e4nderte) verst\u00fcnden? gaben sie zur antwort: den Heiland der welt/ der ein \u00fcberwinder des Belias oder des Teufels sei. Daraus sage ich/ was vor erschr\u00f6klicher irtuhm aus dem falschen und unbedachtsamen schreiben und reden entspr\u00fc\u00dfet. Dan einf\u00e4ltiger leute verstand [S] gehet gemeiniglich dem buchstaben nach: ist nun der buchstab falsch/ so ist ihr verstand auch falsch. \u00b6 D. Der verfasser solches Gesanges mus ohne zweifel auf die worte des bekanten Harfenliedes/ die B\u00e4che Belial/ usf. gesehen haben: da Belial eben also gesetzt ist. \u00b6 M. Es ist zwar eben also gesetzt: aber gleichwohl verdunkelt es alhier den verstand und sin nicht so gar/ wie in denen reden/ da ein selbst\u00e4ndiges wort/ welches ein amt oder verrichtung eines menschen bedeutet/ darbei stehet/ als in den obangezogenen reimen. Zudem m\u00f6chten wohl zehen dar\u00fcm streiten/ ob es der hocherleuchte Luhter also gesetzet: dan in einem der ersten dr\u00fckke seiner \u00fcbersetzung habe ich die B\u00e4che Belials deutlich gedr\u00fckt gefunden. Und wan er es schon also gesetzt hette/ so ist er doch auch ein mensch/ als andere/ und daher zugleich mit ihnen der menschlichen gebrechligkeit unterworfen. Ja dar\u00fcm sage ich/ da\u00df ein B\u00fccherschreiber sich wol zu h\u00fchten habe/ da\u00df er durch dergleichen dunkele und zerst\u00fcmmelte sinne (die zwar er recht verstehet und fasset/ aber andere unrecht/ und nach dem blo\u00dfen buchstaben) die einf\u00e4ltigen/ die mehr der w\u00f6rter blo\u00dfe zeichen/ als der sache/ davon die worte reden/ eigendlichen sin und verstand/ ansehen/ oder so weit nicht nachdenken k\u00f6nnen oder wollen/ ja nicht in den greulichsten irtuhm f\u00fchre/ und sich also/ als einen verursacher/ desselben mitteilhaftig mache. \u00b6 L. Wan nun hinter dem worte Belial ein s in der gebuhrtsendung mus angef\u00fcget werden/ sol es alsdan nicht nach ahrt der Ebreer/ weil es ein Ebrei-[S]sches wort ist/ lang gezogen/ oder das lange s gebraucht werden."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"08e59f6e38dc95c3213b2f9fe53e48a4835ce7f3","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":107,"id":"Q107"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q3078$BADE0660-250B-4703-8EDD-F20030870D00","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}