{"entities":{"Q2752":{"pageid":2842,"ns":120,"title":"Item:Q2752","lastrevid":21540,"modified":"2025-01-31T12:51:06Z","type":"item","id":"Q2752","labels":{"de":{"language":"de","value":"[aq]\u00a7. XI[/aq]. Aber wenn wier gleich alle [aq]Fabeln[/aq], so von Nat\u00fcrlichen [G: [aq]Masen. cap. 5[/aq].] Dingen und der SittenLehr handeln/ beyseit setzen und pa\u00dfiren lassen/ so bleibet dennoch ein nicht geringer Scrupel und Zweiffel \u00fcbrig/ ob man zulassen soll was von den G\u00f6ttern gedichtet worden? Es ist unleugbar/ da\u00df die Alten um dem gemeinen Mann ihre Geheimnisse der Lehren zu verbergen/ gleich einem k\u00f6stlichen Schatz in die Erde/ unter die Fabeln verstecket haben. [aq]Solebant Poetae fabulis quasi nubeculis quibusdam sua & mysteria & praecepta Philosophiae naturalis & moralis operire atque involvere: sicut Medicus acerbiora Pharmaca exhibiturus prius oras pocula circum conspergit mellis dulcis flavoque liquore[/aq]. schreibt mein hoch-geehrter Patron Hr. von Birken [aq]in Monumento Dom. August. Sacr. Teuton. praefix. \u00a7. 37[/aq]. Nichts desto weniger ist \u00fcbel und unrecht gethan/ da\u00df ihrer viel von den G\u00f6ttern als von groben S\u00e4uen geredet/ wie [aq]Scaliger l. 4. c. 1. Poet. p. m. 414[/aq]. klaget. Imgleichen [aq]Tertullian. adversus gentes c. 14[/aq]. Es sey nicht leicht einer unter den alten Poeten gefunden [S] worden/ der nicht die G\u00f6tter solte beschimpffet haben. [aq]Etsi fabula cantat crimen Numinum falsum, delectari tamen falso crimine, crimen est, urtheilet gar wohl Augustinus lib. IX. de C. D. cap. 12. p. 556[/aq]. Ja selbst der Heyden eigene Zeugnisse seind dawieder/ und bestraffen sie deshalben/ wie bey dem [aq]Isocrate[/aq] in [aq]Busiride[/aq] zuvernehmen. [aq]Pythagoras[/aq] soll gesagt haben/ da\u00df [aq]Homerus[/aq] in der H\u00f6lle gemartert w\u00fcrde/ weil er so viel sch\u00e4ndliche [aq]Fabeln[/aq] in seine Gedichte gesetzet; [aq]Dionys. Longin[/aq]. [griech.] spricht von ihm. Er h\u00e4tte aus den G\u00f6ttern Menschen gemacht/ weil er ihnen so viel Laster und Schand-thaten angedichtet; und die Sternen unter unz\u00fcchti- [G: [aq]lib. 10. de Rep. & Dial. a[/aq]. [?] [aq]f. 581[/aq]] ge Bildnisse verh\u00fcllet. Dieser Ursache wegen hat [aq]Plato[/aq] weder den [aq]Homerum[/aq] noch andere/ die ebenm\u00e4\u00dfige Freyheit der Schmachs\u00fcchtigen Feder gestattet/ im Stadwesen dulden wollen/ da er doch sonsten den [aq]Poeten[/aq] nicht hat abgeneigt seyn k\u00f6nnen/ wo er sich selbst nicht h\u00e4tte zu bestraffen gesuchet/ alldieweil er ein guter [aq]Poet[/aq] mit gewesen/ wie [aq]Jul. Caes. Scaliger apicular. part. I. p. 13[/aq]. andeutet. [aq]Dion. Chrysostom. orat. 53[/aq]. schreibt von des [aq]Platonis[/aq] Gesetz also: [aq]Plato Homerum reprehendit in fabulosis sermonibus de Diis, ut qui nequaquam hominibus conducentia ea dixerit, nempe cupiditates, & mutuas insidias & adulteria & contentiones, litesque de Diis recitans: und\u00e8 noluit eum participem esse civitatis Reipublicaeque suae sapientis, ut ipse putabat, futurae, ne haec audirent de Diis Juvenes. Conf. Theodoret. lib. 2. de curat. Graec. affect. Euseb. lib. 13. de praeparat. Evang. cap. 1. & 2. Athenaeus lib. 2. Max. Tyrius Serm. 7[/aq]. Das \u00e4rgeste ist/ da\u00df sie allerhand Ubelth\u00e4ter mit unter die G\u00f6tter gezehlet. Wor\u00fcber auch [aq]Nazianzenus[/aq] mit diesen Versen geeyfert: \u00b6 [aq]Nunc Graeci fingunt, quorum vaesania Divos[/aq] \u00b6 [...] \u00b6 [G: Verth\u00e4d. der Kunstliebenden 2. Theil [aq]p. 200[/aq].] [aq]Jupiter[/aq]-Jungfrau-Raub hatte nicht gnugsam an des Tages Licht kommen k\u00f6nnen/ da man solchen nicht unter die Sterne gesetzt h\u00e4t- [S] te. Es w\u00e4re nicht genug gewest/ da\u00df man sie in Marmel ausgehauen/ in Metall gegossen/ in die Gem\u00e4hle gesetzet/ und in offentlichen Freuden-Spielen dargestellet h\u00e4tte/ wenn man ihnen nicht noch dazu den Himmel zu einem Schauplatz einr\u00e4umete/ die Sternen durch sie abbildete/ und die gantze Welt zum Beschau einladete. De\u00dfwegen hat die K\u00f6nigin [aq]Dido[/aq] von ihrer eigenen Person bey [aq]Ausonio[/aq] den Leser gewarnet/ da\u00df er nicht alles/ was bey Poeten von ihr gemeldet w\u00e4re/ gl\u00e4uben solte/ wenn sie also heraus gebrachen: \u00b6 [aq]Vos magis Historicis lectores credite de me[/aq] [G: [aq]Epigramm. III[/aq].] \u00b6 [...] \u00b6 Was von mier Geschichte melden k\u00f6nnt ihr Leser besser gl\u00e4uben/ \u00b6 [...] \u00b6 [aq]\u00a7. XII[/aq]. Etliche wollen zwar die Poeten hierin entschuldigen/ vorgebend/ sie h\u00e4tten die G\u00f6tter nicht nach ihrem Wesen beschrieben/ sondern nur nach dem gemeinen Wahn des P\u00f6fels/ den er von ihnen gesch\u00f6pffet. Da\u00df sie aber so viel G\u00f6tter ertichtet/ davon giebt [aq]Cicer. lib. 2. de Natur. Deor[/aq]. den Bescheid: [aq]Suscepit vita hominum consuetudoque communis, ut beneficiis excellentes viros in Coelum fam\u00e2, ac voluntate tollerent. Hinc Hercules, hinc Castor & Pollux, hinc Aesculapius[/aq]. Wenn von dem [aq]Jupiter[/aq] geredet wird/ [G: [aq]Voss. lib. I. de Idololatr. cap. 14. p. 110[/aq].] so ist zu wissen/ da\u00df die Alten ihre F\u00fcrsten und K\u00f6nige mit diesem Nahmen beehret/ weil sie \u00fcber alle eine Gewalt/ und also gleichsam was G\u00f6ttliches an sich hatten. [...] Andere meinen/ man m\u00fc\u00df einen Unterscheid halten/ unter denen Sachen die sich in Wahrheit begeben/ und de-[S]nen die Poeten/ also zu reden/ ein F\u00e4rbchen angestrichen/ welches [G: [aq]Lib. de Fals. Religion. cap. XI. p. m. 27[/aq].] auch [aq]Lactantius[/aq] erinnert/ wenn er von dem [aq]Jupiter[/aq] und der [aq]Danae[/aq] schreibet: [aq]Danaen violaturus Jupiter aureos nummos largiter in ejus sinum infudit. Haec stupri merces fuit. At Poetae, qui quasi de Deo loquebantur, ne auctoritatem creditae majestatis infringerent, finxerunt ipsum in aureo imbre delapsum, c\u00e2dem figur\u00e2, qu\u00e2 imbres ferreos dicunt, cum multitudinem telorum sagittarumque describunt. Rapuisse in aquila dicitur Catamitum. Poeticus color est. Sed aut per legionem rapuit, cujus insigne aquila est; aut navis, in qu\u00e2 est impositus, tutelam habuit in aquila figuratam: sicut taurum, cum rapuit & transvexit Europam. Eodem mod\u00f2 convertisse in bovem traditur Io, Inachi filiam, quae ut iram Junonis effugeret, ut erat jam setis obsita, jambos tran\u00e2sse dicitur mare, in Aegyptumque venisse at\u00b4que ibi recept\u00e2 pristina form\u00e2 Dea facta, quae nunc Isis vocatur, &c. Non res ipsas gestas finxerunt Poetae, sed rebus gestis addiderunt quendam colorem: cum Poetae officium sit in eo, ut ea, quae gesta sunt ver\u00e8, in aliquas species obliquis figurationibus cum decore aliquo conversa traducat[/aq]. \u00b6 [aq]\u00a7. XIII[/aq]. Dem sey nun wie ihm wolle/ und ob gleich etliche Au\u00dflegungen zu den nachtheiligen Fabeln gemacht w\u00fcrden/ so ist doch gewi\u00df/ da\u00df dadurch die guten und erbaren Sitten untertretten/ und die z\u00fcchtigen Gem\u00fcther ge\u00e4rgert werden/ de\u00dfwegen man sie gantz nicht billigen kan. Zu dem Ende ermahnen auch verst\u00e4ndige Leute/ da\u00df Christliche Poeten so viel als m\u00fcglich dieselbe Getichte/ darinnen schandbare Possen enthalten/ mit Flei\u00dfe fliehen/ und in ihren Schrifften sich der Heidnischen Abg\u00f6tterey nicht gebrauchen sollen. Denn es ist fast unverantwortlich/ da\u00df ein Christ/ der den wahren Gott aus seinem Wort und mannichfaltigen Wunderwercken erkennet/ die \u00e4rgerliche G\u00f6tzen in seinem Munde oder Feder f\u00fchret/ und unter geistliche Sachen verm\u00e4nget/ nicht anders als wenn ein Heyde in seinem blinden Wahn von den G\u00f6ttern und G\u00f6ttinnen schw\u00e4rmete. Pfui des Teufflischen Wesens/ saget mein H\u00f6stchgeEhrter Hr. Rist im Vorbericht seines Schauplatzes/ und der mehr als Heydnischen Blindheit/ da\u00df [S] ihr/ die ihr euch der wahren Erk\u00e4ntni\u00df Christi r\u00fchmet/ so gar nicht sch\u00e4met der elenden Heyden-G\u00f6tter/ welche ihrer Alten Lehrer und M\u00e4hrlein-schreiber selbst-eigenem Bek\u00e4ntni\u00df nach/ Hurer/ Ehebrecher/ Diebe und R\u00e4uber/ ja gar leibhaffte Teuffel gewesen/ so and\u00e4chtig anzuruffen/ und so meisterlich heraus zu streichen. Tr\u00e4get aber iemand sonderlich Belieben zu den Alten Poeten/ und begehret etwas daraus zu nehmen/ der sehe wohl zu/ da\u00df er nicht gleichsam mit hei\u00dfhungerigem Magen alles was ihm vorkommt/ zu sich nehme/ sondern mit Bedachtsamkeit auslese was ihm dienet/ und nicht gar zu schwer verdauen f\u00e4llt/ damit er keinen Schaden davon tragen d\u00f6rffe. Er soll es nach [aq]Augustini[/aq] [G: [aq]de Doctrin. Christian[/aq].] Ermahnung anfangen/ wie die Israeliter mit den Egyptern thaten/ da sie die g\u00fcldene Geschirre aber nicht die G\u00f6tzen/ ob sie schon g\u00fclden waren/ mit sich genommen haben. Er kan die Sichel seines Verstandes auf der Alten Poeten Wetzstein schleiffen/ doch darff er nicht eine Aerndte von diesen Feldern ohne einiges Bedencken anstellen/ damit er nicht statt des Getreides lauter Unkraut/ und vor die M\u00fche Verdr\u00fc\u00dflichkeit einsamle."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"612ccadb136c3d42d80025f8af9174ba7f9f6bf3","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":106,"id":"Q106"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q2752$137EE98A-EF1A-4E32-B526-ED36130E2651","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}