{"entities":{"Q2749":{"pageid":2839,"ns":120,"title":"Item:Q2749","lastrevid":25243,"modified":"2025-01-31T13:50:50Z","type":"item","id":"Q2749","labels":{"de":{"language":"de","value":"[aq]XVI[/aq]. Aber lasset uns ein wenig weiter gehen/ und den vorigen Zustand der Poeterey mit dem heutigen in etwas genauer \u00fcberlegen: Vorzeiten ward diese keusche Jungfrau in gro\u00dfen Ehren gehalten/ und von allerhand Stands-Personen bedienet. Da sch\u00e4meten sich nicht die kl\u00fcgsten Leute/ die durch das Orakel zu Delphos vor weise ausgeruffen worden/ mit ihr Gemeinschafft zu halten. Ich will nicht von dem [aq]Orpheus, Linus, Musaeus, Thales, Cleobulus, Pittacus, Periander, Chilo, Bias, Socrates, Plato[/aq], und [aq]Aristoteles[/aq] weitl\u00e4ufftig melden/ wie sie so wohl die Poeterey geliebet/ als auch viel darinnen verrichtet. Von dem letzten wird gelesen/ da\u00df er mehr als f\u00fcnff undn viertzig tausend Gedichte verfer- [[aq]Vid. Alexand. Donatus, Instit. Po\u00ebtic. lib. I. p. 36[/aq].] tiget; worinn ihm der ber\u00fchmte Sternk\u00fcndiger [aq]Zoroaster[/aq], der [aq]Bactrianer[/aq] K\u00f6nig vorgegangen/ als der nach [aq]Plinii[/aq] Bericht im [aq]30[/aq]. Buch [aq]cap. I[/aq]. zwantzig mahl hundert tausend Vers von der [aq]Philosophie[/aq] soll gemachet haben. [aq]Conf. Augustin. de Civ. D. lib. XXI. p.m. 981. T. 2[/aq]. Was bey den R\u00f6mern darauf gehalten worden/ ist fast unn\u00f6thig zuerzehlen; [aq]Varro[/aq] hat dadurch nicht den geringsten Prei\u00df verdienet. Ja K\u00e4yser/ F\u00fcrsten und andere vornehme Herren/ haben ihre W\u00fcrde durch den unverwelcklichen Lorbeer-Krantz viel herrlicher und scheinbarer gemachet. Was [aq]Augustus, Tiberius, Germanicus, Claudius, Nero[/aq] und andere nach ihm/ dieser Kunst zu Ehren gethan/ ist der best\u00e4ndigen Unvergessenheit [S] l\u00e4ngst einverleibet. Was soll ich von den alten Kirchenlehrern sagen/ unter denen die niemals genug gelobte Poeterey/ als in einem k\u00f6stlichen Pallast gewohnet? [aq]Cyprianus, Hilarius, Ambrosius, Fulgentius, Nazianzenus, Juvenculus, Venantius, Licentius, Sedulius, Prudentius, Paulinus[/aq] u.a.m. haben ingesamt allerhand sch\u00f6ne Poetische Schrifften hinterlassen/ und werden mit h\u00f6chster Beliebung auch auf den heutigen Tag durchgesuchet. Diese aber wird nach Hochverst\u00e4ndiger Leute Gutd\u00fcncken keiner zur Gn\u00fcge verstehen/ wo er nicht von der lieblichen Poeterey eine Wissenschafft und Vorschmack hat. Dannenher es auch keinem [aq]Studioso Theologiae[/aq] zur Schande oder Schaden gereichet/ da\u00df er diese Kunst in einer und andern Sprache verstehet/ wie etliche fr\u00fchzeitige Kl\u00fcglinge meinen; sondern es ist vielmehr n\u00f6thig/ da\u00df der jenige/ so einmahl der Kirchen Gottes mit Nutzen vorzustehen gedencket/ nebst den Grundsprachen auch auf die Deutsche Muttersprache acht habe/ und darin ein geschickliches Lied aufsetzen lerne. Man bl\u00e4uet sich viel Jahre/ voran im Griechischen/ ein wenig weiter im Lateinischen/ endlich aber ist es unsere Deutsche Sprache/ davon man sich ern\u00e4hret/ und die so wohl den Geistlichen/ als Weltlichen/ ihr Brodt verdienen mu\u00df/ und gleichwohl ist man so wenig darum bek\u00fcmmert. Schreibet der Edle Hr. [aq]Schottelius[/aq] in seiner SprachKunst/ in der ersten Lobrede. Ein Hocherleuchteter Lehrer der H. Schrifft zu Stra\u00dfburg/ hat gar verst\u00e4ndog gerathen/ Es soll ein ieglicher/ der zu Kirchen-Diensten bef\u00f6rdert werden will/ zu seiner erbaulichen Ergetzlichkeit deutsche Poeten lesen/ und ein Gedicht zu Papier bringen lernen: Weil man dadurch zierlich und beweglich reden/ eine Sache mit dringenden Worten vorbringen/ und zu Erweckung br\u00fcnstoger Andacht/ nach Begebenheit auch ein Geistliches Lied werde verabfassen k\u00f6nnen. (Harsdorff im Sendschreiben vor die Welt- Feld- und Garten-Betrachtungen.) Auf gleichen Zweck zielet auch die Vermahnung des [aq]Laurentu \u00e0 Villa Vincentio[/aq], (welcher sich sonsten nicht gescheuet/ fast sein gantzes Buch aus des [aq]Andreae Hyperu[/aq] zu schreiben/ ohne da\u00df er was weniges geendert/ wie [aq]Enoch[/aq] [S] [aq]Hannman[/aq] \u00fcber [aq]Opitii Prosodie[/aq] errinert am [aq]125[/aq]. Blat) an die Prediger/ wenn er sie zu Aus\u00fcbung der reinen Muttersprach reitzet [aq]lib. 3. de Ratione Stud. Theolog. c. 8. p. 429. Nam qu\u00f2 quis sermonis patrii est peritior, & in eodem disertior, e\u00f2 judicatur ad docendum populum magis idoneus. Ac decet omnin\u00f2 concionatorem aliquid supra vulgus praestare in Sermonis patrii munditie ac puritate: Et non mod\u00f2 verbis quibusdam elegantibus & acquisitis, ver\u00f9m etiam copi\u00e2 eorundem locupletatum prodire. Puritatem sermonis patrii non haurias, nisi vel ex convictu familiari eorum, qui tersissim\u00e8 & nitidissim\u00e8 illum sonant, vel ex libris commendatissim\u00e2 dialecto editis: qualis multorum judicio censetur in Itali\u00e2 dialectus Tuscanica: in Galli\u00e2 Turonesis: in Germani\u00e2 Misnensis, in Britanni\u00e2 Londinensis[/aq]. Dannenher der Seel. Herr [aq]Lutherus[/aq] sich so sehr um die Reinigkeit der Teutschen Sprache bem\u00fchet/ da\u00df er billich von fremden [aq]Nationen[/aq] gelobet wird."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"612ccadb136c3d42d80025f8af9174ba7f9f6bf3","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":106,"id":"Q106"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q2749$CA5CE763-B78C-4BF9-A4CB-07B2446A8B1C","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}